Rebellen und Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi haben sich bis in die Nacht zum Freitag schwere Kämpfe entlang der Grenze zu Tunesien geliefert. Wie der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, brachten die Gadhafi-Truppen den vor einer Woche von den Aufständischen eroberten Grenzort Wassin zunächst wieder unter ihre Kontrolle. Die tunesische Regierung habe protestiert, da bei den Kämpfen auch Geschosse auf tunesischem Territorium eingeschlagen seien. Dies verletze Tunesiens territoriale Integrität.

Einige Rebellen seien aus Wassin vor den besser ausgerüsteten Gadhafi-Truppen nach Tunesien geflohen, berichtete eine Al Jazeera-Korrespondentin aus dem Grenzgebiet. Allerdings würden sich die Aufständischen sammeln und auf einen gemeinsamen Schlag gegen die Regierungstruppen vorbereiten. 

Wassin ist für die Rebellen von strategischer Bedeutung. Seit der Einnahme des Ortes konnten viele Menschen über den Grenzübergang vor den Kämpfen im Westen Libyens nach Tunesien fliehen. Außerdem hatten die Rebellen dort besseren Zugang zu Hilfs- und Nachschublieferungen.

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Die Rebellen fordern vom Westen schwere Waffen, um sich gegen mögliche Chemiewaffen-Angriffe der Truppen Gadhafis zu verteidigen. Es würden Hubschrauber, Panzerabwehrraketen und Schnellboote mit Torpedos gebraucht, sagte Rebellengeneral Abdulfatah Junis. Laut Junis, der unter Gadhafi Innenminister war, bevor er sich auf die Seite der Aufständischen schlug, fürchten die Rebellen vor allem den Einsatz von Senfgas. Vor einem Treffen mit Vertretern von Europäischer Union und Nato in Brüssel sagte er, Gadhafi verfüge "unglücklicherweise noch immer über rund 25 Prozent seiner Chemiewaffen".

Nach Angaben der Aufständischen beschossen die Gadhafi-Truppen am Donnerstag auch die Stadt Zintan mit Dutzenden Grad-Raketen. Außerdem seien weitere Rebellenstellungen entlang der Grenze angegriffen worden. Da Raketen auch jenseits der Grenzlinie eingeschlagen seien, habe das tunesische Außenministerium in einer Erklärung ein sofortiges Ende der Grenzverletzungen gefordert, berichtete Al Jazeera.

In der umkämpften Hafenstadt Misrata schlugen am Donnerstag ebenfalls Mörsergranaten und Raketen ein, die offenbar wahllos von Gadhafi-Truppen abgefeuert worden waren, wie Aufständische mitteilten. In der Umgebung der Stadt wurde am Abend weiter gekämpft. Ärzten zufolge kamen dabei mindestens neun Menschen ums Leben.