Premiere für die libyschen Rebellen: Erstmals wird ihre politische Vertretung, der sogenannte Nationalrat, von der neugegründeten Libyen-Kontaktgruppe angehört werden. Dieses Gremium ist in Qatar zusammengekommen, um über eine Lösung des Konflikts in dem nordafrikanischen Land zu beraten. Neben Diplomaten von EU und USA sowie der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga war auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle nach Doha gereist.

Die Aufständischen erhoben bereits vor Beginn der Gespräche Forderungen an die Staatengemeinschaft: Zum einen verlangen sie Hilfszahlungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar, um damit die Grundversorgung der Bevölkerung in den von Aufständischen kontrollierten Gebieten sicherzustellen. Die humanitäre Hilfe könnte im Gegenzug für Öl-Lieferungen erfolgen, sagte der Sprecher des Nationalrats, Mahmud Tschammam. Allerdings könnten entsprechende Geschäfte erst "später" abgeschlossen werden. Vorrang habe zunächst die Sicherung der Leitungen und der Ölfelder.

Zum anderen buhlen die Rebellen um internationale Anerkennung. Der Rat hoffe auf "einen Übergang von einer De-facto-Anerkennung zu einer legitimen internationalen Anerkennung", sagte Tschammam. Vor allem die USA sollten sich "klar und offiziell" auf die Seite des Rats stellen. Noch in dieser Woche soll deshalb eine Delegation der Aufständischen nach Washington reisen, um dort Gespräche mit Regierungsvertretern zu führen. Bislang haben lediglich Frankreich, Italien und Qatar den Übergangsrat in Bengasi als einzige legitime Führung Libyens anerkannt.

So wie in politischer hoffen die Rebellen auch in militärischer Hinsicht auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft. Dabei drängen sie die Nato zu einem massiveren Vorgehen gegen die Truppen von Staatschef Muammar al-Gadhafi. Auch innerhalb des Verteidigungsbündnisses gibt es deshalb Kritik: Frankreich und Großbritannien monierten, die Nato zeige zu wenig Engagement und unternehme zu wenige Luftangriffe.

"Wir wünschen uns eine kontinuierliche Steigerung der Kapazitäten", sagte der britische Außenminister William Hague. Ob die Nato diese erweiterten Kapazitäten dann auch einsetze, hänge von Gadhafis Verhalten ab. Dennoch: "Wir haben mehr Kampfflugzeuge losgeschickt, um Zivilisten zu schützen", sagte Hague. "Und wir sind auf der Suche nach weiteren Staaten, die das im Laufe der Zeit genauso tun, wenn nötig." Hague verlangte zudem verschärfte Sanktionen gegen die Regierung in Tripolis und eine klare Forderung der internationalen Gemeinschaft, dass der Staatschef gehen müsse. 

Offenbar verlassen sich die Regierungen in Paris und London dabei nicht unbedingt auf die übrigen 38 Mitglieder der Libyen-Kontaktgruppe. Unmittelbar im Anschluss an deren Treffen werden sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron in Paris bilateral über den Konflikt beraten.

Die EU bereitet sich derweil auf einen Militäreinsatz zur Absicherung humanitärer Hilfe in Libyen vor, obwohl dies von den Vereinten Nationen derzeit gar nicht gewünscht wird. Bei einem Treffen in Luxemburg beschlossen die EU-Außenminister, die Vorbereitungen dennoch voranzutreiben. Ein konkreter Operationsplan lag aber noch nicht vor. Wohl auch, weil das UN-Büro für humanitäre Hilfe noch nicht um entsprechende Hilfe gebeten hat. "Bisher sagen sie, dass es keinen Bedarf gibt", erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.