Die Zweifel am Erfolg des Nato-Militäreinsatzes in Libyen nehmen zu. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält die Militäroperation des atlantischen Bündnisses in Libyen nicht für ausreichend, um dem Land den Frieden zu bringen.

"Die ehrliche Antwort lautet: Für diesen Konflikt gibt es keine militärische Lösung", sagte Rasmussen dem Spiegel. Die Nato-Lufteinsätze seien teilweise durch schlechtes Wetter behindert worden. Zudem habe Machthaber Muammar al-Gadhafi seine Taktik geändert. "Es zeigt die ungeheure Brutalität des Regimes, dass es Menschen als Schutzschilde benutzt", sagte Rasmussen.

Kampfflugzeuge der Nato zerstörten am Wochenende Munitionslager und zahlreiche Panzerfahrzeuge der Regierung Gadhafis. Dies teilte der Kommandeur des internationalen Militäreinsatzes in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, mit.

Zuletzt gab es Berichte über Geländegewinne der Gadhafi-Truppen. Adschdabija könnte wieder in die Hände des Diktators fallen, hieß es. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera beschossen Gadhafi-Soldaten die Stadt aus drei Himmelsrichtungen.

Die libysche Armee hat nach Regierungsangaben in der Region der Küstenstadt Brega im Osten des Landes zwei Hubschrauber der Rebellen abgeschossen. Vize-Außenminister Chaled Kaaim kritisierte in diesem Zusammenhang die Nato. Obwohl es Aufgabe der Militärallianz sei, die über Libyen verhängte Flugverbotszone zu überwachen, habe sie zugelassen, dass die beiden Kampfhubschrauber der Rebellen aufgestiegen seien. Es stelle sich die Frage, ob die Flugverbotszone lediglich für die libysche Regierung oder aber für beide Seiten gelte. Die Nato sei zu einer "Konfliktpartei auf Seiten der Rebellen" geworden.

Ein Reporter hatte zuvor berichtet, dass am Nachmittag ein libyscher Militärhubschrauber, der die Farben der Rebellen trug, im Tiefflug über das Kampfgebiet zwischen Adschdabija und dem weiter westlich gelegenen Brega geflogen war.

Seit dem 19. März sind in Libyen Truppen unter Führung der USA, Frankreichs und Großbritanniens im Einsatz, um eine vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen autorisierte Flugverbotszone über dem Land durchzusetzen. Am 31. März hatte die Nato das Kommando übernommen.