Die Nato hat bestritten, mehrere Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis angegriffen zu haben. "Wir können bestätigen, dass Flugzeuge heute Nachmittag eine Batterie von SA-2 Flugabwehrraketen 40 Kilometer südlich von Tripolis getroffen haben", sagte eine Nato-Sprecherin. Sie dementierte Meldungen des libyschen Staatsfernsehens, dass es Angriffe in der Stadtmitte gegeben habe.

Der staatliche Sender Al-Libiya TV hatte gemeldet, mehrere Flugzeuge hätten die Hauptstadt überflogen, darunter ein Kampfjet im Tiefflug. Daraufhin sei eine schwere Explosion in der Nähe der Residenz von Machthaber Muammar al-Gadhafi in Bab al-Asisija im Süden der Stadt zu hören gewesen. Gadhafis Truppen antworteten mit Flugabwehrfeuer. Es habe auch zivile Opfer gegeben.

Die Nato-Sprecherin bezeichnete dies als "eine eindeutige Falschinformation", wie man sie in diesem Jahr schon mehrere Male erlebt habe. Die Nato sei bei der Zielauswahl sehr sorgsam, "um die Gefahren für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten". 

Tripolis ist die Hochburg von Machthaber Muammar al-Gadhafi, der sich seit Wochen gegen einen Volksaufstand stemmt. Gadhafis Residenz war seit dem Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in den Libyen-Konflikt bereits mehrfach Ziel von Luftangriffen. Ende März war auf dem Gelände ein Verwaltungsgebäude zerstört worden, als der Libyen-Einsatz noch unter Führung von Frankreich, Großbritannien und den USA gestanden hatte. Inzwischen hat die Nato die Führung übernommen.

Die Nato bombardierte laut libyschem Fernsehen auch Ziele in Sirte, die Heimatstadt Gadhafis. Augenzeugen sagten, die Angriffe hätten vermutlich einem militärischen Ziel gegolten. Die heftigen Explosionen hätten dazu geführt, dass in zahlreichen Wohnhäusern die Fensterscheiben geborsten seien.

Die Nato-Staaten beraten derzeit in Berlin über ihre weitere Strategie in dem Konflikt.