Deutschland versucht auf diplomatischem Weg eine Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich dem Magazin Der Spiegel zufolge persönlich in Peking für den Inhaftierten eingesetzt.

Die Bundeskanzlerin habe der chinesischen Führung am vergangenen Wochenende eine Botschaft übermittelt, hieß es dem Bericht zufolge. Sie habe ihre Sorge über Ai Weiweis Schicksal ausgedrückt und sich für dessen Freilassung eingesetzt. Der Chinese war am 3. April in Peking festgenommen worden, seitdem fehlt von ihm jedes Lebenszeichen.

Auch der Menschenrechtsausschuss des Bundestags äußerte laut Spiegel in einem Brief an den chinesischen Staatschef Hu Jintao großes Unverständnis über die Festnahme des Regimekritikers. Das Recht auf freie Meinungsäußerung müsse zwingend geschützt werden.

Der CDU-Menschenrechtspolitiker Michael Brand sagte den Angaben zufolge, wenn Chinas Kommunistische Partei die individuelle Kreativität zum Beispiel in Wissenschaft und Wirtschaft stärken wolle, müsse sie auch die Zwangsjacke für die individuelle Freiheit der Kunst lockern. Der Versuch, das zu trennen, sei politische Schizophrenie.

Die Festnahme hatte in Deutschland und anderen Staaten Proteste ausgelöst. Mit einer Mahnwache demonstrierten am Samstag etwa ein Dutzend Aktivisten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Berlin für die Freilassung Weiweis und weiterer Regimekritiker. An der Aktion am Brandenburger Tor beteiligte sich auch der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck.

Dass sich Amnesty für den Künstler einsetze, zeige, dass es auch um einen politischen Fall gehe, sagte Staeck. "Wir wollen erreichen, dass öffentlich bekannt wird, dass viele Menschen in Deutschland mit der chinesischen Politik nicht einverstanden sind", sagte Amnesty-Aktivist Martin Reiner.