Wumm, an diesem Mittwoch hat Obama den Präsidentschaftswahlkampf 2012 eröffnet! Und die ersten Fetzen fliegen.

Als "unsozial" beschimpfte der Demokrat die Sparpläne seiner Gegner. Sie stünden für ein anderes Amerika, eines, dass es mit ihm als Präsident nicht geben werde. Postwendend keilten die Republikaner zurück: Obama sei blauäugig und unfähig, das Land durch die schwere Schuldenkrise zu führen.

Vor zehn Tagen waren die Republikaner vorgeprescht und legten ihr Programm für eine strenge Haushaltsdisziplin vor. Doch der Präsident hielt sich vornehm zurück.

Seit er sich bei der Gesundheitsreform mit eigenen Vorstellungen bis ins Detail einmischte und sich dabei die Finger verbrannte, wartet er lieber ab, lässt die Experten und Abgeordneten miteinander ringen und greift erst ein, wenn ein Kompromiss zu scheitern droht. Am Anfang war ihm vorgeworfen worden, er sei mehr Premier als Präsident, mehr Parteigänger als unparteiischer Vermittler. Er hat sich im vergangenen Jahr umorientiert.

Doch in dieser Rolle kann er nicht stets und ständig verharren. Schon gar nicht als Wahlkämpfer, der 2012 wiedergewählt werden will. Obama musste sich bei diesem amerikanischen Schicksalsthema endlich politisch zu erkennen geben. Die verheerende Haushaltslage , die vielen ungedeckten Schecks auf die Zukunft und die vorlauten Republikaner riefen danach.

Und Obama wagte sich am Mittwoch vor. Weniger mit eigenen bahnbrechenden Vorschlägen, als mit harscher Kritik an seinen Kontrahenten. Während die Republikaner neulich ihre Vorschläge mit vielen Zahlen und Tabellen präsentierten, blieb Obama lieber im Ungefähren.

Würde man einen Preis vergeben, verdienten die Republikaner die Mutmedaille, aber gebührte Obama der Realismuspreis. Mit Sparprogrammen kann man sich eigentlich nur Feinde machen. Selbst hartgesottene Konservative zollen dem Vorschlag der republikanischen Abgeordneten zwar Respekt, halten ihn aber nicht für durchsetzbar.

 
Rund sechs Billionen Dollar würden die Autoren des Sparkonzepts gerne in den nächsten zwölf Jahren einsparen – und dabei gleichzeitig die Steuerlasten für alle Bürger reduzieren, auch für die reichen Bürger.

Weniger einnehmen, aber gleichzeitig radikal sparen – das geht nur, wenn man das sehr teure Sozialnetz drastisch aufknüpft. Die Sozialversicherung zum Beispiel. Und ebenso Medicare, die Krankenversicherung für Alte. Aber auch Medicaid, die Gesundheitskasse für Arme und Behinderte. Diese drei machen den größten Batzen feststehender Staatsausgaben aus, etwa Zweidrittel des gesamten Haushalts.

Weil auch im Amerika das Durchschnittsalter der Menschen von Jahr zu Jahr steigt und ältere Leute zwangsläufig stärker auf ärztliche Hilfe angewiesen sind, kommt niemand an Einschnitten ins Sozialsystem vorbei. Schließlich steht der amerikanische Staat bereits mit etwa 14 Billionen Dollar in der Kreide.

 
Im Mai wird die nach dem Gesetz zulässige Verschuldensgrenze von 14,25 Billionen Dollar erreicht. Sollte Amerika kein säumiger Schuldner werden und sich und die Welt nicht in eine weitere Finanzkrise stürzen, muss der mehrheitlich von Republikanern beherrschte Kongress den Schuldendeckel weiter anheben. Darum wird es in den nächsten Wochen gehen. Das wird ein schwerer, komplizierter Streit, und schon jetzt wird klar: Zwei unterschiedliche Visionen Amerikas und seiner Zukunft werden dabei aufeinander prallen.

Zunächst zu den Republikanern, denn schließlich haben sie vorgelegt, wo ihrer Meinung nach der Rotstift angesetzt werden muss. Obamas Rede war in Teilen eine Reaktion darauf. Die Republikaner wollen sich zum Beispiel Medicare vorknüpfen, die Krankenversicherung für Alte: Bisher zahlt immer der Staat die Rechnung, wenn seine wachsende Rentnerschar krank wird. Hier tut sich für den Steuerzahler ein Fass ohne Boden auf. Am liebsten würden die Republikaner Medicare privatisieren, ein wenig subventionieren und Gutscheine austeilen.

Auch bei der Gesundheitsversorgung für die Armen und Behinderten würden sie radikal einsparen. Nach ihrer Vorstellung würde Washington den 50 Einzelstaaten jeweils eine feste Summe überweisen. Damit müssten sie und müssten vor allem die Mühseligen und Beladenen zurechtkommen.

Diese Vorschläge kommen bei der Mehrheit der Amerikaner nicht gut an . Sie würden wahrscheinlich nirgendwo in einem westlichen Wohlfahrtsstaat gut ankommen. Wer will schon auf Leistungen verzichten, vor allem wenn es um die Gesundheitsversorgung geht.

Aber die Vorschläge kommen auch deshalb nicht gut an, weil die Republikaner in ihrem Programm das Gerechtigkeitsmoment ausgeklammert haben. So beharren sie weiter auf der Steuersenkung für Reiche, obwohl gerade sie immer reicher geworden sind, während der Rest sich zum Teil erheblich einschränken musste.