Die Gefahr für Unbeteiligte in Syrien wächst. Das Auswärtige Amt rät allen Deutschen, das Land zu verlassen, so lange dies noch möglich sei. Auch das amerikanische Außenministerium hat seine Bürger in Syrien zum Verlassen des Landes aufgefordert.

In dem Land ist kein Ende der Gewalt in Sicht. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad zeigt sich unbeeindruckt von Sanktionsdrohungen der US-Regierung und ließ nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana die Armee in Daraa einmarschieren. Die Stadt ist eine Hochburg der Regimegegner, die seit Mitte März gegen Assad und seine Regierung protestieren. Augenzeugen und Regimegegner berichteten, am Dienstag seien in der Stadt erneut Schüsse zu hören gewesen.

Augenzeugenberichten vom Dienstag zufolge wurden bislang Leichen von 21 "Märtyrern" auf den Straßen von Daraa gefunden. Zahlreiche Tote hätten noch nicht geborgen werden können, da Scharfschützen auf jeden zielten, der sich aus seinem Haus wage. Ein Augenzeuge berichtete, Angehörige der Sicherheitskräfte in Zivil suchten in der Stadt nach den mutmaßlichen Organisatoren der Proteste. In Naime außerhalb von Daraa suchten sie auf den Mobiltelefonen der Bewohner nach Aufnahmen von Protesten. Außerdem wurden bisher 500 Demonstranten verhaftet.

Am Montagmorgen waren nach Angaben von Oppositionellen Tausende von Soldaten und Angehörigen der Spezialeinheiten mit Panzern und Scharfschützen in die südliche Stadt Daraa eingedrungen. Sana meldete, sowohl in den Reihen der Sicherheitskräfte als auch aufseiten der "extremistischen Terrorgruppen" habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich "sehr besorgt" über die Gewalt in Syrien. Er forderte Präsident Assad "dringend auf, die Bürger- und Menschenrechte zu respektieren". Die Grünen sprachen sich für schnelle Sanktionen aus. "Der Westen darf nicht schweigend zusehen, wenn ein weiteres Regime mit Blutvergießen auf friedliche Demonstrationen antwortet", sagte Grünen-Parteichefin Claudia Roth.

Unterstützer der Proteste erklärten, in mehreren Ortschaften der Region Hauran seien die Strom- und Wasserversorgung und die Telefonverbindungen gekappt worden. Aus der Stadt Duma hieß es, die Sicherheitskräfte seien mit Namenslisten von Haus zu Haus gegangen. Sie hätten Dutzende von Männern abgeführt. In Homs sollen uniformierte Männer versucht haben, in das Al-Barr-Krankenhaus einzudringen, in dem verletzte Demonstranten behandelt wurden. In Hassaka versammelten sich Regimegegner zu einer Solidaritätskundgebung für die belagerte Stadt Daraa.

Die von den Aufständen in anderen arabischen Ländern inspirierte Protestbewegung in Syrien hatte zunächst lediglich demokratische Reformen gefordert. Nachdem die Sicherheitskräfte mehrere Demonstranten erschossen hatten, riefen sie jedoch zu einem Sturz des Regimes auf. Niemand weiß genau, wie viele Demonstranten bisher getötet wurden. Die Opposition benennt mehr als 350 Opfer. Alleine am vergangenen Freitag sollen 112 Aktivisten getötet worden sein.