Zehntausende Syrer haben für demokratische Reformen demonstriert, trotz neuer Drohungen der Regierung. In der Hauptstadt Damaskus, in Latakia, Homs und anderen Städten des Landes protestierten sie gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Sie bekundeten ihre Solidarität mit den Bewohnern der weitgehend abgeriegelten Stadt Daraa. Das syrische Innenministerium hatte am Donnerstag erklärt, niemand dürfe an diesem Freitag demonstrieren.

Trotzdem haben auch in Daraa Tausende Menschen demonstriert. Sicherheitskräfte eröffneten nach Berichten von Augenzeugen das Feuer auf die Demonstranten. Dabei wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 15 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Die Menschenmenge sei unterwegs ins Stadtzentrum von Daraa gewesen, um gegen Präsident Baschar al-Assad zu demonstrieren.

Auf Videos von den Kundgebungen, die von Aktivisten im Internet verbreitet wurden, hört man Demonstranten in Damaskus, die "Das Volk will den Sturz des Regimes", "Gott ist groß" und "Gott, Syrien, Freiheit und sonst nichts" rufen. Im Al-Meidan-Viertel hätten die Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt, hieß es. In der Stadt Deir al-Zor nahe der irakischen Grenze wurden die Protestierenden nach Angaben der Exil-Opposition mit Schlagstöcken vertrieben. Dutzende Aktivisten seien festgenommen worden.

Das syrische Staatsfernsehen strahlte Bilder von Leichen in der Gerichtsmedizin aus. Ein Sprecher sagte, es handle sich um Angehörige der Sicherheitskräfte, die von Terroristen getötet worden seien. Zuvor hatte der Sender "Geständnisse" angeblicher Terroristen ausgestrahlt.

Die EU müht sich um gemeinsame Maßnahmen gegen das syrische Regime. Die ständigen Botschafter der 27 EU-Staaten trafen sich in Brüssel, um über Sanktionen zu beraten. Möglich sind Reisebeschränkungen für Verantwortliche des Regimes oder das Einfrieren von Vermögenswerten. Im Gespräch ist auch ein Waffenembargo. Außerdem könnten Investitionen und Hilfen für das arabische Land eingefroren werden. Bislang stehen für das Land von 2011 bis 2013 rund 129 Millionen Euro von der EU bereit. Das Geld soll politische, wirtschaftliche und soziale Reformen vorantreiben.

Die Europäer waren mit ihrem Vorstoß für eine Verurteilung Syriens im UN-Sicherheitsrat gescheitert. Ein unter anderem von Deutschland eingebrachter Entwurf für eine offizielle Erklärung fand nicht die Zustimmung des 15-Länder-Gremiums.

Das deutsche Bundesinnenministerium empfiehlt den Bundesländern, abgelehnte Asylbewerber wegen der derzeitigen Unruhen nicht nach Syrien abzuschieben.