In Syrien sind beim gewaltsamen Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Regierungskritiker erneut mehrere Menschen getötet worden. Augenzeugen berichteten am Sonntag, in der Hafenstadt Banias seien beim Beschuss einer Moschee durch Scharfschützen mindestens drei Menschen getötet und zwölf weitere verletzt worden.

Sicherheitskräfte würden aus dem alevitischen Viertel El Kus das sunnitische Viertel Ras el Nabe beschießen, wo sich die El-Rahman-Moschee befinde, sagten zwei Augenzeugen. "Es ist ein richtiges Massaker, da sind Scharfschützen, die schießen, um zu töten", sagte einer der Zeugen. Ein Menschenrechtsaktivist sprach von vier Toten und 15 Verletzten. Die Moschee war zuvor der Schauplatz von Protesten gegen die Regierung gewesen. Ein anderer Augenzeuge sagte, am frühen Morgen seien bereits fünf Menschen in Banias durch bewaffnete Regierungsanhänger verletzt worden. Einwohner hätten am Zugang zu ihren Vierteln nun Kontrollposten eingerichtet.

Ebenfalls in der Gegend von Banias im Nordwesten des Landes wurden laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana ein Armeeoffizier getötet und mehrere Soldaten verletzt, als ihr Konvoi in einen Hinterhalt geriet. Die Angreifer würden verfolgt, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, zitierte Sana einen Behördenvertreter.

Bei der Beerdigung von mehreren am Freitag getöteten Demonstranten in der südsyrischen Stadt Daraa hatten Sicherheitskräfte am Samstag nach Angaben eines Menschenrechtsaktivisten das Feuer eröffnet und zwei Menschen verletzt. In der Stadt, die etwa hundert Kilometer südlich von Damaskus liegt, waren die Sicherheitskräfte am Freitag gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen und hatten nach Angaben von Menschenrechtsgruppen 26 Menschen getötet.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte in einem Telefongespräch mit Syriens Präsident Baschar al-Assad die Gewalt. Das "Töten von friedlichen Demonstranten" sei "nicht zu akzeptieren" und müsse untersucht werden, sagte er nach Angaben eines Sprechers. Außerdem habe Ban in dem Telefongespräch "an die Verpflichtung von Regierungen erinnert, Zivilisten zu schützen und die Rechte der Bevölkerung zu respektieren". Ban räumte ein, dass es Meldungen gebe, wonach auch Demonstranten Sicherheitsleute angegriffen und getötet hätten. Er verurteilte jegliche Gewalt und rief beide Parteien zum Frieden auf.

Assad versprach am Sonntag bei einem Treffen mit dem bulgarischen Außenminister Nikolai Mladenow erneut Reformen. Dabei seien auch die Erfahrungen der europäischen Länder erwünscht. Es war die erste öffentliche Äußerung Assads seit seiner Ansprache vor dem Parlament Ende März, bei der er Reformen angekündigt hatte. So soll der seit fast 50 Jahren geltende Notstand aufgehoben und das Presse- und Parteiengesetz reformiert werden.