Für die Sicherung des Katastrophenreaktors in Tschernobyl gibt die internationale Gemeinschaft 550 Millionen Euro. Diese Summe sei bei der Geberkonferenz in Kiew zugesagt worden, teilte der französische Regierungschef François Fillon in der ukrainischen Hauptstadt mit. Eigentlich sollten nach den Vorstellungen der Ukraine bei der Konferenz rund 740 Millionen Euro zusammenkommen.

Die verarmte Ex-Sowjetrepublik kann die gewaltigen Kosten nicht stemmen. Allein für eine neue Schutzhülle um den havarierten Reaktor seien noch immer rund 700 Millionen Euro nötig, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Die Bundesregierung will für Tschernobyl-Projekte weitere 42,4 Millionen Euro zahlen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung versprach 120 Millionen Euro. Am Vortag hatte Barroso bereits 110 Millionen Euro von der EU zugesagt. Russland investiert 45 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr für Tschernobyl-Projekte.

Die Finanzkrise habe bei jeder Volkswirtschaft Spuren hinterlassen, sagte Fillon, der Ko-Präsident der Geberkonferenz zu Tschernobyl ist. Dennoch sei die "bemerkenswerte Summe von 550 Millionen Euro" zugesagt worden. Zugleich betonte Fillon, dass mehrere weitere Länder ihre Unterstützung zugesagt hätten, ohne zunächst eine Summe nennen zu können. Das Geld soll unter anderem für die Fertigstellung eines dauerhaften Schutzmantels über dem zerstörten Reaktor verwendet werden.

Die Geberkonferenz hatte am Morgen anlässlich des 25. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl in Kiew begonnen. Regierungsvertreter aus rund 50 Staaten kamen zusammen, um über weitere Schutzmaßnahmen zu sprechen.
Am 26. April 1986 war der Reaktor 4 des Atomkraftwerks explodiert. Danach wurde eine radioaktive Wolke freigesetzt, die über weite Teile Europas zog.