Das Treffen zwischen dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma und dem libyschen Staatschef Muammar al-Gadhafi ist ohne weitreichendes Ergebnis geblieben. Laut Al Jazeera teilte Zuma zwar vor seinem Abflug aus Tripolis mit, Gadhafi habe einen sofortigen Waffenstillstand angeboten. Einen Rücktritt, wie von den libyschen Aufständischen und vielen westlichen Staaten sowie Russland gefordert, schließe Gadhafi aber weiterhin aus. Auf Bildern des libyschen Staatsfernsehens vom Zuma-Besuch am Montag war Gadhafi erstmals seit mehr als zwei Wochen wieder zu sehen.

Südafrikas Präsident Zuma hat sich im Auftrag der Afrikanischen Union (AU) um Vermittlung im Libyen-Konflikt bemüht. Beobachter hatten der Vermittlungsmission wenig Chancen eingeräumt. Ein erstes Treffen im April der beiden Politiker war ohne Erfolg geblieben.

An die von der AU vorgeschlagene Waffenruhe müssten sich bei Inkrafttreten alle Parteien halten, sagte Zuma dem libyschen und südafrikanischen Fernsehen. Diese sehe jedoch auch ein Ende der Nato-Bombardierungen vor. Vor seinem Treffen hatte Zuma die Nato-Angriffe in Libyen scharf kritisiert. Sie behinderten die Bemühungen der AU um einen Frieden in dem nordafrikanischen Land, sagte er dem südafrikanischen Fernsehen. Auch Gadhafi habe beim Treffen deutlich gemacht, dass eine Feuerpause für alle Beteiligten gelten müsse.

Laut Zuma forderte Gadhafi zudem, "dem libyschen Volk die Möglichkeit einzuräumen, seine Probleme selbst zu lösen". Die libyschen Rebellen lehnen jedoch jede Friedensinitiative ab, die Gadhafi an der Macht belässt. Sie fordern, dass sich Gadhafi vor Gericht verantworten muss. Auch die "Road Map" der AU, die neben dem sofortigen Waffenstillstand eine Übergangsperiode bis zu demokratischen Wahlen vorsieht, stößt beim Nationalen Übergangsrat in Benghasi auf Ablehnung.

Die Führung der libyschen Rebellen nennt ihre Kämpfer nun Nationale Befreiungsarmee (NLA). Der neue Name solle die wachsende Professionalität der vorwiegend aus jungen Freiwilligen bestehenden Truppen im Kampf gegen Gadhafis Anhänger widerspiegeln, teilte der Nationale Übergangsrat mit.

Die Nato hatte in der jüngsten Zeit ihre Angriffe auf Tripolis verschärft. Unter anderem wurde auch das Bab al-Asisija-Militärlager bombardiert, in dem Gadhafi sich häufig aufhalten soll. CNN berichtete, zwei schwere Explosionen hätten Tripolis am frühen Dienstagmorgen im Abstand von nur fünf Minuten erschüttert. Die Regierung habe später mitgeteilt, dass der erste Nato-Angriff einer Baustelle des Militärs in Abu Sita, rund zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, gegolten habe. Woher die zweite Explosion rührte, war zunächst nicht bekannt.