Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi reagiert auf die Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen wie gewohnt selbstbewusst: "Ich bin ein Kämpfer und jedes Mal, wenn ich verliere, verdreifache ich meine Stärke“, sagte Berlusconi bei einem offiziellen Besuch in Rumänien.

Berlusconis Kandidaten haben nach ersten Hochrechnungen in mehreren Städten Niederlagen erlitten. Dabei wiegt vor allem der Verlust seiner bisherigen Hochburg Mailand für den Regierungschef schwer. Hier gewann der Kandidat der Linken, Giuliano Pisapia, nach den bisherigen Auszählungen die Bürgermeisterwahl mit 53,5 Prozent der Stimmen.

In Neapel lag Luigi De Magistris von der Partei Italien der Werte mit 59 Prozent weit vor Berlusconis Kandidaten Mario Lettieri. Im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen gewann die Linke in ihren Hochburgen Turin und Bologna und erzwang Stichentscheide in Mailand und Neapel.

Die Niederlage gibt Berlusconi zu: "Es ist offensichtlich, dass wir verloren haben. Es kann nun nur darum gehen, die Nerven zu bewahren und weiterzumachen." Zuvor hatte Berlusconi insbesondere die Abstimmung in Mailand als Test für seine konservative Regierung in Rom bezeichnet.

Während führende Politiker vorzeitige Parlamentswahlen ausschlossen, halten Experten nun eine Abstimmung vor 2013 für wahrscheinlicher. Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz verfügt im Parlament nur über eine knappe Mehrheit. Berlusconi sagt, der Partner Liga Nord halte an der Zusammenarbeit fest. Dies habe ihm Parteichef Umberto Bossi versichert.

Berlusconi gilt wegen Sex-Affären und Korruptionsprozesse als angeschlagen. Am Dienstag hat die zweite Anhörung im Ruby-Prozess gegen ihn begonnen. Dabei wurde Berlusconi von seinen Anwälten vertreten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm im Fall Ruby Begünstigung der Prostitution von Minderjährigen sowie Amtsmissbrauch vor.

Die wirtschaftliche Lage Italiens ist ebenfalls nicht günstig für Berlusconi: Erst im April hat die Regierung ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr auf 1,1 beziehungsweise 1,3 Prozent nach unten revidiert. Der staatliche Schuldenberg liegt bei etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jeder vierte Jugendliche ist ohne Arbeit und die Durchschnittsitaliener sind heute ärmer als vor zehn Jahren. Am 21. Mai hatte Standard & Poor's den Ausblick für das Rating des südeuropäischen Landes auf "negativ" gesenkt.