Egal, ob in Zeitungsinterviews, in Internetforen oder auf Protestaktionen. Alexandre Sousa Carvalho wird nicht müde, es immer wieder aufs Neue zu wiederholen: "Portugals Jugend befindet sich in einer Sackgasse, ohne Zukunft, und das können wir nicht einfach so hinnehmen". Der 25 Jahre alte Politologe aus Lissabon ist gut ausgebildet und wäre für jedes Jobangebot dankbar. Doch Aussichten auf eine feste Anstellung hat er keine.

Dass er bei weitem nicht der einzige in dieser Situation ist, wurde Alexandre bereits am 12. März bewusst, als er auf Facebook, zusammen mit drei ebenfalls arbeitslosen Freunden, zum Protest gegen die steigende Arbeitslosigkeit, die schlechten Arbeitsbedingungen für junge Leute und gegen die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung aufrief.

Ähnlich wie in Spanien, wo es kurz vor den landesweiten Kommunal- und Regionalwahlen vom 22. Mai unter dem Motto "Echte Demokratie Jetzt" zu wochenlangen Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung und die hohe Arbeitslosigkeit kam, folgten auch in Portugal Hunderttausende Unzufriedene dem Aufruf von Alexandre und Co. Die Gründer der spontanen Jugendprotestbewegung gaben sich den Namen "Geração a rasca" – Verlorene Generation – und lösten eine landesweite Protestwelle aus. Mindestens 300.000 vor allem junge Portugiesen gingen am 12. März im ganzen Land auf die Straßen, um für ihr "Recht auf Arbeit und eine Zukunft" zu einzutreten.

Bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise Portugals sind es vor allem die Jungen, die auf der Strecke bleiben, erklärt Alexandre, so wie in anderen Ländern Europas auch. Die jüngsten Zahlen zur Arbeitsmarktlage in Portugal geben ihm Recht. In Portugal ist die Arbeitslosenquote Anfang des Jahres auf den Rekordstand von 12,4 Prozent geklettert, über 40 Prozent der Arbeitslosen ist dabei jünger als 34 Jahre.

Die Protestbewegung "Verlorene Generation" ist überparteilich und friedlich, so wie jene beim Nachbarn in Spanien auch. Dennoch hat sie im portugiesischen Wahlkampf keinen großen Einfluss. Der Grund: Die meisten Portugiesen haben das Gefühl, dass ihre Politiker kaum noch etwas ausrichten können. Weit verbreitet ist nämlich die Ansicht, die wirtschaftliche Zukunft des Landes hänge mehr von den Sparplänen ab, die in Brüssel geschmiedet werden, als von der Wirtschaftspolitik der eigenen Regierung.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Europäische Union ein 78 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt, um das hoch verschuldete Euro-Land vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Dafür musste sich die Regierung in Lissabon verpflichten, die Neuverschuldung rasch abzubauen und seine Wirtschaft grundlegend zu reformieren. Das Reformprogramm, an das die Rettungsgelder der EU und auch die des Internationalen Währungsfonds (IWF) geknüpft sind, verlangt von Portugal noch stärkere Sparmaßnahmen als jene, mit denen Portugals sozialistischer Ministerpräsident José Sócrates im März scheiterte. Sämtliche konservative Oppositionsparteien lehnten seinerzeit die Sparmaßnahmen der sozialistischen Minderheitsregierung ab, weshalb Sócrates von seinem Amt zurücktrat und Neuwahlen ausgerufen wurden.

Jetzt mussten sich auch die konservativen Oppositionsparteien dazu bereit erklären, die noch härteren und von Brüssel bestimmten Sozial- und Lohnkürzungen zu akzeptieren, sollten sie die Parlamentswahlen am kommenden Sonntag gewinnen. Steuervergünstigungen sollen gestrichen, Renten gekürzt und die Beamtengehälter eingefroren werden, sagt die EU.