Ägyptens Ankläger wollen Expräsident Hosni Mubarak vor ein Strafgericht bringen. Die Oberstaatsanwaltschaft beschuldigt ihn nun offiziell, für die Tötung von mehr als 800 Demonstranten während der Massenproteste Anfang des Jahres mitverantwortlich zu sein. Zudem wirft sie dem Exstaatschef Amtsmissbrauch und Korruption vor. Seine Söhne Gamal und Alaa wurden unter denselben Punkten angeklagt. Einen Prozesstermin gibt es noch nicht.

Der fast 30 Jahre amtierende Mubarak war im Februar infolge der Proteste zurückgetreten. Die Polizei hatte ihn vor mehr als einem Monat festgenommen. Ob der frühere Präsident jedoch tatsächlich vor Gericht erscheinen wird, ist ungewiss. Derzeit befinden sich der 83-Jährige und seine Frau Suzanne wegen gesundheitlicher Probleme in einem zivilen Krankenhaus unter Arrest. Ermittler der ägyptischen Justiz befragten ihn seitdem mehrfach am Krankenbett. Ärzte beschrieben den Gesundheitszustand Mubaraks zuletzt als stabil. Allerdings würde er an Depressionen leiden. Seine Söhne sitzen gegenwärtig in einem Gefängnis bei Kairo in Untersuchungshaft.

Die Anklageerhebung gegen ehemaligen Staatschef hat auch zur Folge, dass die Untersuchungshaft gegen ihn nicht wie bisher alle 15 Tage verlängert werden muss. Da dies nur zweimal möglich ist, hätte er ohne diesen Schritt der Staatsanwälte an diesem Freitag freigelassen werden müssen.

Die Demokratiebewegung, die Mubarak aus dem Amt vertrieben hatte, rief für diesen Freitag zu einer neuen, machtvollen Demonstration in Kairo auf: Ihr geht die juristische Aufarbeitung der mutmaßlichen Verbrechen des Regimes zu langsam voran.

Die ägyptische Presse spekuliert derweil über das vom Expräsidenten und seinem Clan unterschlagene Vermögen. Die Berichte sprechen von Milliarden von Dollars, ohne allerdings handfeste Belege vorweisen zu können. Da jedoch allein die Schweiz Vermögenswerte in Höhe von 410 Millionen Franken (323,8 Millionen Euro) eingefroren hat, die Mubarak und seinem Umfeld zugeordnet werden, könnte die Summe letztlich tatsächlich in die Milliarden gehen.