Er steht ganz oben auf der Internet-Plattform der BBC, auch die britische Zeitung The Guardian macht mit ihm auf: Für viele internationale Medien ist der deutsche Atomausstieg die Meldung des Tages. Die Reaktionen auf die deutsche Energiewende sind jedoch widersprüchlich.

Die schwedische Regierung zum Beispiel: Sie steht dem nun bis 2022 geplanten Atomausstieg in Deutschland kritisch gegenüber. Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren sagte im Rundfunksender SR, die Entscheidung für einen Atomausstieg sei vor allem innenpolitisch motiviert. Wie der Ausstieg durch erneuerbare Energie aufzufangen sei, werde durch die Entscheidung überhaupt nicht beantwortet.

Hintergrund der Kritik:Schweden ist als alleiniger Eigner des Energiekonzerns Vattenfall direkt vom deutschen Atomausstieg betroffen. Das Unternehmen betreibt die beiden norddeutschen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel.

Aber nicht nur Schweden kritisierte die deutsche Energiewende, auch in Frankreich gab es negative Reaktionen: Die französische Arbeitgeberpräsidentin Laurence Parisot sagte zwar, der deutsche Atomausstieg sei eine "bedeutende Entscheidung", die sich auf ganz Europa auswirke. Doch langfristig könne er zum Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union werden. Die USA hätten schließlich nicht die Absicht, der Atomkraft den Rücken zu kehren, und China fange gerade erst mit der Entwicklung der Kernkraft an.

"Hat Deutschland diese Entscheidung im Wissen getroffen, dass es weiterhin Atomstrom aus Frankreich importieren wird?", fragte Parisot. Deutschland verhalte sich wie "ein blinder Passagier". Denn trotz der Energiewende beziehe Deutschland weiterhin Atomstrom aus Frankreich. Für die französische Industrie sei der bis 2022 geplante deutsche Atomausstieg jedoch "eine Chance", sagte Parisot. Auch Frankreichs mächtigste Atom-Managerin, Anne Lauvergeon, bezeichnete den deutschen Atomausstieg als "vollkommen politische Entscheidung".

Im Gegensatz zu Schweden und Frankreich begrüßte Österreich die Pläne zum deutschen Atomausstieg. Der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich sagte, der Atomausstieg eines so hoch industrialisierten Staates wie Deutschland habe "eine ganz starke Signalwirkung". Deutschland gehe mit gutem Beispiel voran, und andere Atom-Staaten könnten diesem Beispiel folgen. Anders als Schweden und Frankreich betreibt Österreich selbst keine Kernkraftwerke, bezieht aber Atomstrom aus dem Ausland.