Die Kommandoaktion zur Tötung von Terroristenführer Osama bin Laden führt zu neuen Zerwürfnisse zwischen den USA und Pakistan. Sicherheitsexperten – nicht nur in Washington – bezweifeln, dass sich der Al-Qaida-Chef jahrelang in seinem stattlichen Anwesen in der Garnisonsstadt Abottabad verstecken konnte, ohne dass die pakistanischen Behörden davon etwas geahnt haben.

Diese Skepsis wies der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gilani bei einem Besuch in Paris nun zurück. Für die jahrelange vergebliche Suche nach bin Laden seien die Geheimdienste weltweit verantwortlich – "einschließlich der USA". Der Westen solle keine "negativen Nachrichten" über sein Land verbreiten, sagte Gilani, Pakistan trage nicht allein die Schuld.

Gilani zufolge verdient sein Land etwas ganz anderes: mehr Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, der das "Problem Nummer eins" sei. "Sicherheit und Extremismus-Bekämpfung sind nicht Aufgabe einer einzelnen Nation", sagte der Premier. Pakistan brauche die Hilfe der ganzen Welt. Schließlich zahle es  "einen hohen Preis" für einen Kampf für "Frieden, Wohlstand und Fortschritt" nicht nur im eigenen Land, sondern auf der gesamten Welt.

Der Unmut der pakistanischen Regierung richtet sich nicht zuletzt gegen CIA-Chef Leon Panetta, der noch einmal deutlich gemacht hatte, dass die Verbündeten in Islamabad über den Einsatz des Spezialkommandos keineswegs vorab informiert gewesen seien. "Man hat entschieden, dass alle Versuche einer Zusammenarbeit mit den Pakistanern die Mission gefährden könnten", sagte er in einem Interview mit dem Magazin Time.

Der Staatssekretär im pakistanischen Außenministerium, Salman Bashir, bezeichnete diese Äußerungen als "beunruhigend". "Was den Erfolg im globalen Anti-Terror-Kampf betrifft, so hat Pakistan da eine entscheidende Rolle gespielt", sagte er dem britischen Sender BBC. Pakistan arbeite weitgehend mit den USA und besonders mit der CIA zusammen.

Den US-Auslandsgeheimdienst habe man im Übrigen bereits 2009 über das Anwesen in Abbottabad als möglichem Versteck von bin Laden informiert. Der pakistanische Geheimdienst habe die Kollegen auf das Gelände aufmerksam gemacht, sagte Bashir, und diese hätten die Ausrüstung gehabt, der Sache nachzugehen. Damals sei jedoch keinesfalls klar gewesen, dass sich der nun getötete Terrorchef dort aufhalte; es habe "Millionen" andere mutmaßliche Verstecke gegeben.