Der genaue Ablauf der Kommandoaktion zur Tötung von Terroristenchef Osama bin Laden ist noch immer unklar. Doch es tauchen immer neue offizielle und inoffizielle Details zur Operation einer US-Eliteeinheit auf. Nun hat auch das Weiße Haus erneut Stellung bezogen – und die bisherigen Angaben von Regierung und Sicherheitsapparat in Teilen korrigiert.

Nach Angaben von Jay Carney, dem Sprecher von US-Präsident Barack Obama, war der Al-Qaida-Chef bei dem Angriff nicht bewaffnet. Allerdings hätten andere Männer auf dem Anwesen bewaffneten Widerstand geleistet, sagte der Sprecher bei der Pressekonferenz. Carney sprach von einem "unberechenbaren Schusswechsel", bei dem bin Laden ums Leben gekommen sei.

Dies gelte allerdings nicht für seine Ehefrau, fügte Carney hinzu. Diese sei – anders als bislang mitgeteilt – eben nicht getötet worden, sondern mit einem Schuss ins Bein verletzt worden. Zuvor sei sie auf die US-Soldaten zugestürmt. Damit rückt die Regierung auch von der Version von Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan ab, wonach die Ehefrau getötet worden sei, weil bin Laden sie als menschlichen Schutzschild missbraucht habe.

Carney blieb aber bei der Darstellung, wonach das Ziel des Einsatzes die Festnahme und nicht die Tötung des Terroristenführers gewesen sei. Die Spezialkräfte hätten bei dem Einsatz mit "allergrößter Professionalität" gehandelt. Dennoch: Der "große Widerstand" habe dafür gesorgt, dass bin Laden erschossen worden sei.

Das Sonderkommando der US-Armee hatte den mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Anschläge vom 11. September 2001 in der Nacht zum Montag in Pakistan aufgespürt. Jahrelang hielt er sich in einem herrschaftlichen Anwesen in Abbottabad versteckt, einer Garnisonsstadt rund eine Autostunde nördlich der Hauptstadt Islamabad. Die pakistanische Regierung beteuert, man habe davon nichts gewusst – die Zweifel daran sind groß.

Auch zu dem Ablauf der Aktion veröffentlichte die Regierung weitere Details. So habe "ein kleines US-Team" das Anwesen gestürmt und es während der fast 40-minütigen Operation "systematisch" gesichert, "von Raum zu Raum". Die Soldaten hätten es dabei die ganze Zeit "mit Feuergefechten" zu tun gehabt. "Neben der Bin-Laden-Familie wohnten zwei weitere Familien auf dem Anwesen, eine Familie im Erdgeschoss des Bin-Laden-Wohnhauses und eine Familie in einem zweiten Gebäude", hieß es weiter.

Noch keine Entscheidung gibt es bislang darüber, ob Fotos von der Leiche bin Ladens veröffentlicht werden sollen. Obamas Sprecher Carney sagte, die Bilder seien "grausig". Vor diesem Hintergrund werde geprüft, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Medienberichten zufolge soll der Terroristenchef zweimal in den Kopf getroffen worden sein, einmal direkt über dem linken Auge.

Skeptiker in der US-Regierung hatten argumentiert, die Aufnahmen seien "zu grausig", um sie freizugeben. Befürworter meinten hingegen, die Veröffentlichung sei nötig, um alle Zweifel auszuräumen, dass der Al-Qaida-Chef tatsächlich tot sei. CIA-Chef Leon Panetta rechnet jedenfalls damit, dass eine entsprechende Aufnahme veröffentlicht wird. Die Entscheidung müsse aber letztlich vom Weißen Haus getroffen werden.