In Italien sind erneut Hunderte Bootsflüchtlinge angekommen. In der Nacht zum Samstag strandete ein Schiff mit 213 Flüchtlingen vor Licata im Süden Siziliens, berichteten italienische Medien.

Auf der kleinen Insel Lampedusa trafen zwei Boote mit jeweils etwa 200 Menschen ein. Damit befanden sich auf Lampedusa am Samstag erneut über 1600 Flüchtlinge. Unter den Flüchtlingen sind insbesondere Frauen, Schwangere und Kleinkinder. Sie fliehen vor dem Bürgerkrieg in Libyen.

Seit Beginn der nordafrikanischen Revolutionen flohen mehr als 37.000 Menschen nach Italien, die weitaus meisten davon kamen in Lampedusa an. Die Überfahrt übers Mittelmeer ist gefährlich. Die alten und fast immer völlig überladenen Fischerboote werden oft zum Spielball der Wellen.

Erst am Samstag hat ein rumänisches Kriegsschiff einem vor der libyschen Küste in Seenot geratenen Flüchtlingsboot geholfen. Die Besatzung der Fregatte habe den etwa 150 afrikanischen Flüchtlingen an Bord des Bootes geholfen, den ausgefallenen Motor zu reparieren, erklärte das Verteidigungsministerium in Bukarest. Zudem hätten die Soldaten die Flüchtlinge mit Wasser, Lebensmitteln und Treibstoff versorgt, damit sie ihre Fahrt fortsetzen könnten.

Erst jüngst gab es der italienischen Gesundheitsbehörde zufolge Informationen darüber, dass ein Schiff mit mehr als 70 Menschen an Bord Ende März in Seenot geraten und von den Besatzungen kreuzender unidentifizierter Kriegsschiffe aber nicht gerettet worden sei, sagte eine Sprecherin. Ein Überlebender habe berichtet, dass die meisten der Flüchtlinge gestorben seien.

Nach letzten Schätzungen des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind seit Ende März rund 1200 aus Libyen geflohene Menschen im Mittelmeer gestorben.

Insgesamt flohen bisher fast 770.000 Menschen aus Libyen nach Algerien, Ägypten, Niger, Tunesien, in den Tschad und den Sudan, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mitteilte. Seit Rom Anfang April ein Abschiebe-Abkommen mit Tunis geschlossen hat, kommen zunehmend Flüchtlinge aus Libyen.

Die nur 20 Quadratkilometer große Insel Lampedusa ist – nur 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt gelegen – und gilt vielen Afrikanern seit langem als das "Tor nach Europa".