Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi haben sich in der Grenzregion zu Tunesien erneut heftige Kämpfe mit den Aufständischen geliefert. Nahe der libyschen Städte Al-Sintan und Wasin in den Bergen südwestlich von Tripolis wurden mindestens neun Aufständische getötet und rund fünfzig weitere verletzt. Angesichts des Beschusses mit Raketen sind laut Angaben der Aufständischen rund 20.000 Menschen über die nahe tunesische Grenze geflohen.

Ein Rebellensprecher sagte, die Städte seien "wahllos" mit Grad-Raketen beschossen worden, so dass die Bevölkerung und die Rebellen zur Flucht aus Wasin gezwungen waren. Am Samstagmorgen waren die Truppen Gadhafis bis auf 15 Kilometer auf Al-Sintan vorgerückt. Zuletzt soll es den Rebellen jedoch gelungen sein, sie in die Region von El Alawinia zurückzudrängen.

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In der seit acht Wochen belagerten Küstenstadt Misrata beschossen die Gadhafi-Truppen unterdessen mehrere Treibstofflager im Hafen. Da sie bei ihren Raketen-Angriffen auf den Hafen auf starken Widerstand der Rebellen gestoßen seien, hätten die Truppen Gadhafis nun ihre Taktik geändert, sagte der militärische Sprecher des oppositionellen Nationalen Übergangsrats, Ahmed Omar Bani. Sie feuerten die Raketen nun auf die Treibstofflager im Hafen ab und hätten bereits einige getroffen. Die Versorgung der Aufständischen mit Kraftstoff solle so gekappt werden.

Die Rebellen warfen den Regierungstruppen zudem vor, aus Helikoptern Seeminen im Hafen von Misrata gelegt zu haben. Die Hubschrauber seien mit den Symbolen des Roten Kreuzes gekennzeichnet gewesen. Die Nato bestätigte, dass das Flugverbot über Misrata am Donnerstag von Hubschraubern verletzt worden sei. Der Hafen von Misrata ist für die Rebellen von strategischer Bedeutung, da er der einzige Zugang zu der belagerten Küstenstadt ist. Noch immer warten dort Hunderte afrikanische Flüchtlinge auf einen Platz auf einem der seltenen Hilfsschiffe.

Der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats, Abdel Hafis Ghoga, erklärte unterdessen, Italien wolle den Rebellen "sehr bald" Waffen liefern. Ein entsprechendes Abkommen sei in Italien beschlossen worden. Genauere Angaben zu der Art der Waffen machte er nicht. Beamte des italienischen Außenministeriums erklärten jedoch, Italien werde den Rebellen nur "Material zur Selbstverteidigung" im Rahmen der UN-Resolution 1973 zur Verfügung stellen.