Der Kampf gegen den Terror ist nicht zu Ende, nur weil amerikanische Spezialeinheiten Osama bin Laden getötet haben. Die Gefahr neuer Anschläge, zumal in der muslimischen Welt, bleibt groß, aber auch der Westen einschließlich Deutschland ist weiterhin gefährdet. Dennoch markiert der Tod bin Ladens eine Zäsur, weniger im praktischen Kampf gegen den Terror, als vielmehr im Wettstreit der Ideen.

Als im September 2001 vier Flugzeuge die Symbole der Macht Amerikas angriffen, stellten die 19 islamistischen Attentäter die Systemfrage. Es war eine Attacke auf das westliche Lebensmodell, auf die Idee von Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaat, wie wir sie pflegen.

Al-Qaida bombte ihre Vorstellung einer grundsätzlich anderen Welt ins Bewusstsein der globalen Öffentlichkeit: die "Vereinigung aller Muslime und die Errichtung einer Regierung, die der Herrschaft des Kalifen folgt". Das Ziel war der allumfassende Gottesstaat, das Mittel, ihn zu erreichen, der Terrorismus.

Dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Aber die alte Konfrontation, die ein ganzes Jahrzehnt dominierte, ist überholt: Hier der fortschrittliche, freiheitliche Westen, dort die muslimische Welt, gefangen in einer antiwestlichen, antimodernistischen und antisemitischen Ideologie.

Die Wucht der arabischen Revolution dieses Frühjahrs beweist uns, dass es so nicht ist, dass es ganz so wohl niemals war. Im Maghreb und in der Levante demonstrieren, kämpfen und beten arabische Bürger für Freiheit und Selbstbestimmung; keiner verbirgt seinen Glauben, doch radikal-extremistisch ist er nicht.