Der Tod von Al-Qaida-Führer Osama bin Laden versetzt Menschen in New York und Washington in Begeisterung. Anhänger radikal-islamischer Gruppen aber bekräftigen ihren Kampfeswillen.

In arabisch-sprachigen Internet-Foren beteuerten sie ihre Entschlossenheit, vor allem die USA und deren Präsident Barack Obama in ihrem Visier zu behalten. "Gott verfluche Dich, Obama", hieß es in einer der ersten Reaktionen aus islamistischen Gruppen. "Ihr Amerikaner: es ist noch immer unser Recht, Euch den Hals abzuschneiden." Auf einer anderen Internet-Seite schrieb ein Diskussionsteilnehmer: "Osama mag getötet worden sein, aber sein Aufruf zum Dschihad wird niemals sterben. Brüder und Schwestern, wartet ab, sein Tod wird sich als Segen entfalten."

Viele Schiiten in der arabischen Welt reagierten allerdings erleichtert. "Fahr zur Hölle" und "Die Menschheit wurde von einem der schlimmsten Mörder befreit", lauteten die Kommentare auf der Website der von Schiiten betriebenen irakischen Nachrichtenagentur burathanews. Hintergrund dieser Reaktionen sind Spannungen zwischen den Glaubensrichtungen des Islam. So wurde das Terrornetzwerk al-Qaida von sunnitischen Extremisten gegründet. Diese sahen im schiitischen Islam eine Abkehr vom rechten Glauben. Darauf beriefen sich auch zahlreiche Selbstmordattentäter sunnitischer Terrorgruppen im Irak, die in den vergangenen Jahren Tausende schiitischer Zivilisten getötet haben.

Bei al-Qaida selbst sorgte die Nachricht für Entsetzen. Ein Mitglied des jemenitischen Zweigs der Terrororganisation bezeichnete den Tod bin Ladens als "Katastrophe". Am Anfang hätte man die Nachricht nicht geglaubt. "Aber dann sind wir mit unseren Brüdern in Pakistan in Verbindung getreten, und sie haben die Information bestätigt", sagte das Mitglied. Demnach wollen die fusionierten saudiarabischen und jemenitischen Sektionen der Organisation ein Treffen im Süden des Jemen abhalten, wo al-Qaida stark präsent ist. Im Anschluss an das Treffen solle eine Erklärung zum Fortgang des "Heiligen Krieges" veröffentlicht werden.

Die Nachricht aus Washington sorgte dagegen bei westlichen Regierungen für Erleichterung. Außenminister Guido Westerwelle begrüßte die Tötung des Terroristenführers als "gute Nachricht". Bin Laden sei "einer der brutalsten Terroristen der Welt" gewesen, er habe "das Leben von Tausenden unschuldigen Menschen auf dem Gewissen", hieß es in der Erklärung des FDP-Politikers. "Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt."

Der Kampf gegen Extremismus und Terrorismus sei aber nicht beendet, warnte Westerwelle. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu Gegenreaktionen der Anhänger bin Ladens komme. "Umso wichtiger ist es, dass wir uns als wehrhafte Demokratie erweisen", sagte der Außenminister und verteidigte zugleich den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, der nun nicht beendet sei. "Wir sind nicht dort gewesen, um einen Mann zu bekämpfen, sondern wir sind in Afghanistan, weil wir verhindern wollen, dass Afghanistan wieder ein Rückzugsgebiet für den Terrorismus auf der ganzen Welt wird."

Der afghanische Präsident Hamid Karsai bezeichnete den Tod des Al-Qaida-Chefs als die "Strafe" für dessen Taten und als "Warnschuss" für die radikal-islamischen Taliban. Diese "müssen ihre Lektion daraus lernen", ihre Kämpfe unterlassen und sich dem Friedens- und Versöhnungsprozess im Land anschließen. Für den pakistanischen Premierminister Yousuf Reza Gilani ist die Tötung von bin Laden als "großen Sieg". Zudem versprach er: "Wir werden nicht zulassen, dass unser Boden als Ausgangspunkt für terroristische Angriffe auf andere Länder genutzt wird."

Der indische Innenminister P. Chidambaram zeigte sich indes beunruhigt darüber, dass bin Laden in der Stadt Abbottabad "tief in Pakistan" getötet worden sei. "Dies unterstreicht unsere Sorge, dass Terroristen verschiedener Organisationen in Pakistan Unterschlupf finden", fügte er hinzu. Indien wirft dem Rivalen Pakistan seit langem vor, militanten Gruppen, die Anschläge auf indischem Boden planten, Unterschlupf zu gewähren und sie logistisch zu unterstützen.

So wie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich auch die Regierung in Jerusalem erfreut über den Tod von bin Laden. "Israel ist nach der Liquidierung in Freude mit dem amerikanischen Volk vereint", teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit. Er gratuliere Obama zu "diesem Sieg der Gerechtigkeit, der Freiheit und der gemeinsamen Werte der demokratischen Länder, die Seite an Seite gegen den Terrorismus gekämpft haben". Rasmussen kündigte an, dass die Nato und ihre Verbündeten ihren Einsatz in Afghanistan fortsetzten, damit das Land "nie wieder ein sicherer Zufluchtsort für Extremismus wird".

Großbritanniens Premierminister David Cameron sagte, der Tod des Al-Qaida-Chefs bedeute eine "große Erleichterung für die Menschen überall auf der Welt". Es sei ein "großer Erfolg, dass er gefunden wurde und nicht mehr in der Lage ist, seinen Feldzug des globalen Terrorismus fortzusetzen." Bin Laden sei für die "schlimmsten terroristischen Gräueltaten verantwortlich, die die Welt gesehen hat".

"Wir sind in einer sichereren Welt aufgewacht", heißt es in einer Erklärung von EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek. "Obwohl der Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen Terroristen nicht vorüber ist, ist doch ein wichtiger Schritt im Kampf gegen al-Qaida getan worden." Dies bedeute mehr Sicherheit "für Millionen von Menschen: Christen, Moslems, all jene, die an friedliches Zusammenleben glauben."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den Tod von bin Laden als "Wendepunkt" im gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. "Ich selbst erinnere mich genau an den 11. September. Ich selbst war an diesem traurigen Tag hier in New York", sagte Ban mit Blick auf die Terroranschläge auf das World Trade Center 2001. Die Vereinten Nationen verurteilten weiterhin Terrorismus in jeglicher Form und wollten den Kampf gegen den internationalen Terrorismus weiterführen.