Es ist der schwerste Anschlag in Pakistan in diesem Jahr, es war der erste nach der Tötung des Terrorchefs Osama bin Laden – und er geht auf das Konto der radikalislamischen Taliban: Sie haben sich zu dem zweifachen Selbstmordattentat im Nordwesten Pakistans bekannt, bei dem mehr als 70 Menschen getötet und mindestens 115 verletzt wurden.

"Das war die erste Rache für Osamas Märtyrertod", sagte Talibansprecher Ehsanullah Ehsan der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Er kündigte weitere "größere Attacken" in Pakistan und Afghanistan an. 

Genau damit hatten die Taliban nach der geheimen US-Kommandoaktion im pakistanischen Abbottabad vor elf Tagen gedroht. Sie wollten ihre Angriffe auf Regierungsgebäude und Sicherheitskräfte im Land verstärken.

Der Doppelanschlag in der Region Shabqadar, rund 30 Kilometer nördlich von Peshawar, galt einem paramilitärischen Ausbildungszentrum der pakistanischen Armee. Nach Polizeiangaben wurde die Anlage von zwei Explosionen erschüttert, als gerade neu ausgebildete Sicherheitskräfte das Gelände verließen. Die Rekruten wollten in Busse einsteigen, um nach ihrem Kurs für zehn Tage in den Urlaub zu fahren.

Polizeisprecher Jehanzeb Khan sagte, die Rekruten seien gerade dabei gewesen, ihr Gepäck in die Busse zu verladen, als Selbstmordattentäter auf einem Motorrad ankamen. Einer der Attentäter sei abgestiegen und habe sich versteckt. Der andere habe sich an den Bussen in die Luft gesprengt. Als sich Menschen am Anschlagsort versammelten, um Hilfe zu leisten, habe der zweite Attentäter seinen Sprengstoff in der Menge gezündet.

Bei dem Lager handelt es sich um ein Camp des paramilitärischen Frontier Corps. Diese Einheit wird vor allem im Kampf gegen Aufständische an der afghanischen Grenze eingesetzt und ist immer wieder Ziel von Anschlägen. 

Durch den Anschlag kamen dem Polizeichef des Bezirks Nisar Khan Marwat zufolge mindestens 65 Sicherheitskräfte der paramilitärischen Grenzpolizei und fünf Zivilisten ums Leben. Andere Quellen berichten von mindestens 68 Menschen, die getötet worden sein sollen.

In Pakistan wurden in den vergangenen vier Jahren mehr als 4300 Menschen bei Bombenanschlägen getötet. Die meisten der Anschläge ereignen sich im Nordwesten des Landes, der als Hochburg islamistischer Kämpfer sowie als Rückzugsgebiet der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida gilt.