Das pakistanische Parlament hat die US-Mission zur Tötung des Al-Qaida-Chefs Osama bin Ladens verurteilt. Die Abgeordneten forderten eine Überprüfung der Beziehungen Pakistans zu den USA und warnten, Pakistan könne die Nachschubrouten für die amerikanischen Truppen in Afghanistan kappen.

Der Chef des pakistanischen Geheimdienstes wurde mit den Worten zitiert, er sei wegen der Affäre zum Rücktritt bereit. Der US-Eingriff sei eine Verletzung der Hoheit des Landes, hieß es in einer Erklärung des Parlamentes.

Das Parlament hatte eine Sitzung zur "Lage nach der einseitigen US-Aktion in Abbottabad" angesetzt. In der Garnisonsstadt war bin Laden am 2. Mai von US-Spezialkräften erschossen worden. Die Abgeordneten verlangten die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission zu dem US-Kommandoeinsatz. Sie riefen die Regierung auf, "die Verantwortung für diesen Einsatz zu klären und nötige Maßnahmen zu ergreifen, damit sich solch ein Vorfall nicht wiederholt". Die Abgeordneten hatten sich in der Sitzung von Pakistans Geheimdienstchef Ahmad Shuja Pasha informieren lassen. Islamabad hatte kritisiert, nicht im Vorfeld über die Aktion informiert worden zu sein.

Auch Pakistan habe in der Vergangenheit angesichts von Diskrepanzen in der politischen und militärischen Führung "Fehler gemacht", räumte Informationsministerin Firdous Ashiq Awan ein. Das Land habe aber dafür gesorgt, dass sich diese Verfehlungen nicht wiederholen. "Wir stehen unserem Militär zur Seite und werden unsere Geheimdienste nicht im Stich lassen." Islamabad hatte nach dem Tod bin Ladens eine Prüfung der Arbeit seiner Geheimdienste angekündigt; die USA hatten eine Unterstützung bin Ladens durch pakistanische Behörden nicht ausgeschlossen, da der Al-Qaida-Chef offenbar jahrelang unentdeckt in Abbottabad leben konnte.

Außerdem drohte das pakistanische Parlament Washington mit Konsequenzen, sollten die USA ihre Drohnenangriffe in Pakistan nicht einstellen. Das Parlament bezeichnete die US-Drohnenangriffe als "inakzeptabel". Solche Drohnenangriffe müssten unverzüglich gestoppt werden, andernfalls werde die Regierung gezwungen sein, notwendige Schritte in Erwägung zu ziehen, darunter die Rücknahme der Erlaubnis an die Nato, Transitwege zu nutzen, erklärten die Parlamentarier nach einer zehnstündigen Sitzung.

Die Nato nutzt Pakistan als Transitland, um Nachschub nach Afghanistan zu bringen. Pakistan kritisiert die Angriffe unbemannter Kampfflugzeuge der CIA im Grenzgebiet zu Afghanistan seit langem, da dabei immer wieder Unschuldige getötet werden. Die USA verdoppelten die Zahl ihrer Drohnenangriffe im Jahr 2010 auf mehr als 100 und töteten dabei mehr als 670 Menschen. Als Reaktion auf den Tod dreier pakistanischer Soldaten durch einen Drohnenangriff sperrte Pakistan im vergangenen Jahr zeitweise einen Grenzübergang nach Afghanistan, um Nachschubtransporte für die Nato in Afghanistan zu behindern. Außerdem verüben Islamisten in Pakistan immer wieder Anschläge auf die Nato-Lastwagen. Erst am Freitag wurden bei einem solchen Angriff fünf Laster zerstört.

Pakistan war am Freitag zudem von einem Doppelanschlag auf ein Ausbildungszentrum paramilitärischer Sicherheitskräfte erschüttert worden, bei dem nach neuesten Angaben 89 Menschen getötet wurden. Zu den Selbstmordattentaten hatten sich die pakistanischen Taliban (TTP) bekannt und erklärt, dies sei eine erste Racheaktion für den Tod bin Ladens.