Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, ist in juristischen Schwierigkeiten: Polizisten nahmen ihn am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen fest. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung. Dem Franzose wird vorgeworfen, ein Zimmermädchen sexuell belästigt zu haben. Strauss-Kahn befinde sich in Polizeigewahrsam, um zu den Vorwürfen befragt zu werden, sagte ein Sprecher der New Yorker Polizei. Sein Anwalt teilte mit, er werde auf nicht schuldig plädieren.

Ein 32-jähriges Zimmermädchen in einem Hotel hatte den Vorwurf erhoben, Strauss-Kahn habe sie sexuell bedrängt. Die Frau habe sich losreißen können und er habe versucht, sie in dem Hotelzimmer einzusperren. Sie sei geflüchtet und anschließend wegen leichter Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass Strauss-Kahn fliehen wollte, da er sein Mobiltelefon zurückgelassen habe.

Die New York Times berichtete unter Berufung auf die Aussage der Betroffenen, das Zimmermädchen habe Strauss-Kahns Suite in dem Glauben betreten, dass diese leer sei. Dort sei es dann zu dem Vorfall gekommen.

Der IWF-Chef saß bereits in einer Air-France-Maschine mit Ziel Paris, als ihn zehn Minuten vor dem Start Mitarbeiter der Flughafenbehörde in Gewahrsam nahmen und an die New Yorker Polizei übergaben. Damit ist ein Termin in Berlin hinfällig: Er hatte sich am Sonntag mit Kanzlerin Merkel in Berlin treffen wollen.

Strauss-Kahn gilt als möglicher Herausforderer von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr und Umfragen zufolge stünden die Chancen für einen Sieg gut. Bislang hat "DSK", wie er in Frankreich genannt wird, allerdings seine Kandidatur noch nicht angekündigt. 

Strauss-Kahn war bereits 2008 wegen einer Affäre mit einer ehemaligen Kollegin unter Druck geraten. Er entschuldigte sich für den dadurch entstandenen Ärger, wies aber Vorwürfe des Amtsmissbrauchs zurück. Zuletzt stand der Finanzfachmann, der mit der bekannten Journalistin Anne Sinclair verheiratet ist, wegen seines luxuriösen Lebensstils in der Kritik. Der Sozialist stieg bei einem Heimatbesuch im April in einen Porsche Panamera S. Der Auftritt wurde auch innerhalb seiner Partei kritisiert.

An der Spitze des IWF steht Strauss-Kahn seit November 2007. Seitdem hat er viel Lob für seinen Umgang mit der weltweiten Finanzkrise erhalten. Auch in der derzeitigen europäischen Schuldenkrise spielt der Internationale Währungsfonds eine große Rolle. So ist er an den Rettungsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal beteiligt. Zudem überwacht der IWF die Umsetzungen der Auflagen, die die Länder im Gegenzug für die Hilfen erfüllen müssen. Die Festnahme von Strauss-Kahn bringt den Fonds unter Druck. Der Vizechef des Fonds, John Lipsky, hatte erst am Donnerstag gesagt, mit Ablaufen seines Vertrages im August stehe er nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Strauss-Kahns Amtszeit endet 2012.

Hinweis der Redaktion: Die gegen Strauss-Kahn erhobenen Vorwürfe sind bisher lediglich das - Vorwürfe. Was genau in dem Hotel passiert ist, wissen bisher nur Strauss-Kahn und die Hotelangestellte. Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir haben zunächst genannte Details der Vorwürfe deshalb aus diesem Text entfernt.