Dominique Strauss-Kahn ist als Chef des IWF zurückgetreten. In einer auf der Internetseite des Währungsfonds veröffentlichten Erklärung schrieb der wegen Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung inhaftierte Strauss-Kahn, die Entscheidung erfülle ihn mit "unendlicher Traurigkeit". Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wies er "mit größtmöglicher Entschlossenheit" zurück. Mit seinem Rücktritt wolle er sowohl seine Familie als auch das Ansehen des Fonds schützen.

Strauss-Kahn sitzt seit Samstag in New York in Untersuchungshaft. Ihm wird sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung einer Hotelangestellten vorgeworfen. Der Franzose soll versucht haben, ein Zimmermädchen zum Oral- und Analsex zu zwingen.

Seine Anwälte hoffen unterdessen, dass schon am Donnerstag über eine Freilassung ihres Klienten entschieden wird. Sie haben am Mittwoch in New York einen neuen Versuch gestartet, ihn per Kaution aus der Haft zu bekommen. Bis zu einem Prozess müsste der Franzose dann aber auf jeden Fall in New York bleiben.

Gerichtssprecher David Bookstaver sagte, die Anhörung Strauss-Kahns könne voraussichtlich bereits am Vormittag stattfinden. Die genaue Zeit und der Ort der Verhandlung stünden aber noch nicht fest.

"Wir haben Bedingungen zugesagt, die alle Bedenken zerstreuen können, dass Mr. Strauss-Kahn die Stadt verlässt", erklärten die Anwälte. "Und wir hoffen, ihn umgehend von Rikers Island zu holen." Angaben zu diesen Bedingungen machten sie nicht. Auf der Gefängnisinsel im New Yorker East River sitzt der 62-Jährige seit Montag.

Am Montag hatte die Richterin Melissa Jackson abgelehnt, Strauss-Kahn gegen eine Kaution von eine Million Dollar vorerst auf freien Fuß zu setzen. Strauss-Kahn hatte versichern lassen, er würde bei seiner in den USA lebenden Tochter bleiben und notfalls eine elektronische Fußfessel tragen. Das Gericht hatte eine Freilassung abgelehnt, da bei dem vermögenden und international vernetzten IWF-Chef Fluchtgefahr bestehe.

In dem neuen Antrag auf Freilassung schlugen Strauss-Kahns Anwälte eine dauerhafte Überwachung des Verdächtigen vor, um jegliche Fluchtgefahr auszuschließen. Zudem hieß es in einer eidesstattlichen Versicherung Strauss-Kahns, er wolle auf jedes Recht zur Auslieferung an andere Staaten verzichten. Als Kautionssumme wurde erneut eine Million Dollar genannt.

Die Grand Jury muss bis Freitag über eine formelle Anklage des 62-Jährigen entscheiden. Sie setzt sich aus 16 bis 23 Geschworenen zusammen, die darüber befinden müssen, ob die bis dahin gesammelten Beweise gegen Strauss-Kahn für eine Anklage ausreichen. Sollte dies nach ihrer Ansicht nicht der Fall sein, wird er freigelassen.

Das mutmaßliche Opfer Strauss-Kahns sagte nach Angaben ihres Anwalts indes vor der Grand Jury aus. Sie habe nur das Interesse, "die Wahrheit zusagen und ihr Leben wie zuvor weiterleben zu können, sagte Jeff Shapiro CNN. Alle Verschwörungstheorien seien abwegig.

Unterdessen berichten französische Zeitungen, dass ein Überwachungsvideo aus dem Hotel aufgetaucht sei. Es zeige zuerst das Zimmermädchen, das offenbar in Panik aus dem Raum stürme. Wenig später verlasse auch Strauss-Kahn das Hotelzimmer, den Angaben zufolge "in Hast". Der 62-Jährige war wenig später aus der Ersten Klasse eines Air-France-Flugzeugs geholt worden, das nur Minuten später Richtung Europa abheben sollte. Ein mit dem Fall befasster Vertreter der französischen Polizei sagte aber, in dem betreffenden Hotel gebe es in den Stockwerken mit Gästezimmern keine Überwachungskameras.

Der US-Fernsehsender ABC berichtete unter Berufung auf örtliche Polizeikreise, die Ermittler untersuchten Proben von "Körperflüssigkeiten", die in Strauss-Kahns Hotelzimmer genommen worden seien. Die Proben seien an einer von der Hotelangestellten beschriebenen Stelle in dem Zimmer gefunden wurden, an der Strauss-Kahn sie zum Oralsex gezwungen haben soll. Sie würden nun auf die DNA des ehemaligen IWF-Chefs hin untersucht.