Nord- und Südsudan haben sich auf die Einrichtung einer Pufferzone entlang der künftigen Staatsgrenze geeinigt. Vermittelt hat in dem Konflikt die Afrikanische Union (AU). Wie die AU mitteilte, wurde ein entsprechendes Abkommen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterzeichnet. Seit dem Wochenende hatten dort Vertreter der Armeen von Nord- und Südsudan verhandelt.

Es soll eine gemeinsame Kontrollinstanz geschaffen werden, die von den Verteidigungsministern, den Generalstabschefs sowie den Chefs der Geheimdienste und der Polizei geführt werden soll.

Vor der Unabhängigkeit des Südsudans, die am 9. Juli ausgerufen werden soll, müssen noch verschiedene Konfliktpunkte gelöst werden. Dazu gehören der Verlauf der gemeinsamen Grenze und die Aufteilung der Erträge aus den Ölquellen. Vor zehn Tagen war es mit der Besetzung der ölreichen Grenzregion Abyei durch nordsudanesische Truppen zu einer der schwersten Krisen seit dem Ende des Bürgerkriegs 2005 gekommen. Sowohl der Norden als auch er Süden erheben Anspruch auf Abyei.

Die Nationale Kongresspartei (NCP) des sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir und die im Süden regierende Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) in Khartum hatten sich am Montag auf die Bildung eines gemeinsamen Komitees geeinigt, das die Streitfragen um Abyei klären soll.

Nach Vollzug der Unabhängigkeit wird Südsudan das 79. Mitglied der mit der Europäischen Union (EU) eng verbundenen Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP-Staaten). Das sagte der Generalsekretär der Staatengruppe, Mohamed Ibn Chambas, nach Gesprächen mit der EU-Kommission in Brüssel. Der Südsudan wird damit EU-Fördermittel für den Aufbau seiner Wirtschaft und seiner Infrastruktur bekommen.

Die AKP-Länder seien bereit, sowohl dem Südsudan als auch dem Sudan bei der Schaffung eines Klimas der Zusammenarbeit zu helfen. Der Südsudan sei "praktisch unentwickelt". "Wenn die Spannungen zwischen Norden und Süden fortgesetzt werden, dann ist die Unabhängigkeit ein tot geborenes Kind", sagte Chambas. Der ungarische Außenminister János Martonyi, derzeit EU-Ratsvorsitzender, bekräftigte die Forderung nach einer Lösung aller Streitfragen gemäß dem vereinbarten Friedensabkommen.

Die Bevölkerung des Südens hatte sich im Januar in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Loslösung vom Norden entschieden. Die Volksabstimmung war Teil eines Friedensabkommens von 2005, das einen mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendete. Während der Norden überwiegend muslimisch geprägt ist, sind die meisten Südsudanesen Christen oder Anhänger lokaler Glaubensrichtungen.

In Abyei leben vor allem Angehörige der schwarzafrikanischen Volksgruppe Dinka-Ngok, die kulturell und geschichtlich mit dem Süden verbunden sind. Abyei gehört aber auch traditionell zum Wandergebiet der arabischstämmigen Misseriya-Nomaden aus dem Norden.