Erst am Ende widmete er sich dem Konflikt der Konflikte, dem blutigen Disput zwischen Israelis und Palästinenser, der Terroristen anstachelt und die Region immer wieder in Kriege geführt hat. Obama bestritt, dass die Revolutionen die Aussicht auf Frieden verdüsterten und man sich deshalb, wie einige in Israel meinen, einstweilen lieber zurückhalten sollte.

Er hat Recht, aber Amerika und Israel könnten die Gelegenheit für einen Friedensdurchbruch bereits verpasst haben. Es ist nicht auszuschließen, dass der arabische Frühling beide Akteure rasch auf die Zuschauerbank verbannt. Denn ehe man sich versieht, könnten die Palästinenser alsbald Tatsachen schaffen, an denen weder Israel noch Amerika vorbeikommen und die für beide hoch riskant sind.

Die Palästinenser planen, im September einseitig ihren Staat auszurufen . Und zwar kurz bevor in New York die Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammen tritt. Auf diesem globalen Treffen, so die begründete Hoffnung, werden dann mindestens 100 Mitgliedsnationen Palästina völkerrechtlich anerkennen. Israel mit seinen Truppen im Westjordanland wäre dann in den Augen fast der gesamten Welt endgültig eine Besatzungsmacht.

Das will Obama verhindern. In einer Woche, in der Israels Premier Benjamin Netanjahu Washington besucht und die Palästina-Frage wieder oben auf der Tagesordnung steht, hat er die Flucht nach vorne angetreten und erstmals eine Selbstverständlichkeit offen ausgesprochen: Es muss eine Zwei-Staaten-Lösung geben, und zwar innerhalb der Grenzen von 1967.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob diese Flucht nach vorne noch zur rechten Zeit gekommen ist.