US-Außenministerin Hillary Clinton traf in Begleitung von Generalstabschef Mike Mullen in Islamabad ein, wie das Außenministerium mitteilte. Auf dem Programm standen Gespräche mit Pakistans Präsident Asif Ali Zardari, Armeechef Ashfaq Kayani und Geheimdienstchef Ahmad Shuja Pasha. Clinton dürfte Pakistan zu verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida und die Taliban auffordern sowie zu einer Untersuchung der Umstände des lange unentdeckten Aufenthalts von al-Qaida-Chef Osama bin Laden im Lande drängen.

Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind seit der Tötung bin Ladens im pakistanischen Abbottabad angespannt. Die Regierung in Islamabad hatte zwar die Tötung bin Ladens begrüßt, aber gleichzeitig die geheime Operation der US-Einheit als Verletzung ihrer Souveränität kritisiert. Pakistan hatte nach Angaben der US-Regierung vom Mittwoch darum gebeten, die Zahl der amerikanischen Militärausbilder zu halbieren.

Clinton hatte am Donnerstag in Paris gesagt, dass die Zusammenarbeit mit der Regierung in Islamabad eine strategische Notwendigkeit für die USA sei. Pakistan sei ein guter Partner bei der weltweiten Terrorismusbekämpfung. "Ich möchte betonen, dass sie nicht an der Seitenlinie herumgestanden haben", sagte sie zu dem gemeinsamen Vorgehen gegen Islamisten. "Sie haben aktiv ihren eigenen bitteren Kampf geführt."

Derweil hat Pakistan dem US-Geheimdienst CIA nach Angaben der Washington Post erlaubt, das Anwesen zu untersuchen, in dem Osama bin Laden Anfang Mai getötet wurde. Demnach darf ein Forensik-Expertenteam das Gebäude in Abbottabad mit hochmodernen Geräten durchkämmen. Ziel sei es, Material aufzuspüren, das etwa in Wänden versteckt oder auf dem Grundstück vergraben sein könnte, berichtete die Zeitung online unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Es wäre das erste Mal, dass CIA-Beamte das Anwesen betreten. Vor der Operation, bei der bin Laden von einem US-Sonderkommando erschossen worden war, hatte der Geheimdienst den Gebäudekomplex nur aus der Ferne ausspähen können – etwa mit Tarnkappen-Drohnen und Satelliten. Das Kommando habe sich nur 40 Minuten auf dem Gelände aufgehalten, wurde ein US-Regierungsbeamter zitiert. Jetzt gehe es darum, "genauer hinzuschauen".

Das CIA-Team werde "im Laufe von Tagen" in Abbottabad eintreffen, hieß es weiter. Der stellvertretende CIA-Direktor Michael Morell habe den Zugang in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Islamabad mit dem pakistanischen Geheimdienstchef Ahmed Shuja Pasha ausgehandelt. Demnach soll es der CIA auch erlaubt sein, Material zu untersuchen, das pakistanische Sicherheitskräfte auf dem Anwesen sichergestellt hätten.

Die Vereinbarung gilt der Zeitung zufolge als ermutigendes Zeichen dafür, dass die Spionagebehörden beider Seiten weiterhin zusammenarbeiten werden.