Dem von der Pleite bedrohten Griechenland werden dringend benötigte zwölf Milliarden Euro ausgezahlt, gab Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit Griechenlands Premierminister Giorgios Papandreou in Luxemburg bekannt. Weitere Finanzhilfen seien möglich, unter der Voraussetzung, dass der private Sektor sich auf freiwilliger Basis beteilige. "Es ist klar, dass es kein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone geben wird. Es wird keine Pleite geben", sagte Juncker. Das Land werde in der Lage sein, vollständig seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Zuvor hatte die Regierung in Athen bekannt gegeben, die sogenannte Troika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank habe die jüngsten Sparbemühungen Griechenlands positiv beurteilt. Dies galt als entscheidende Voraussetzung für die Freigabe der zwölf Milliarden Euro. Das Urteil beziehe sich auf die aktuellen Fortschritte, aber auch auf die geplanten Strukturreformen für Wachstum und Beschäftigung sowie das neue Sparprogramm, teilte das Finanzministerium mit. Damit hat der Schuldenstaat erst einmal Zeit gewonnen.

Insgesamt hatten die Eurostaaten und der IWF Griechenland bereits Hilfen bis zu 110 Milliarden Euro zugesagt. Aus diesem Paket wartet Athen dringend auf die Freigabe einer Zwölf-Milliarden-Kreditrate.

Ohne die Freigabe der Finanzhilfe hätte dem hoch verschuldeten Land schon in wenigen Wochen akute Zahlungsunfähigkeit und der Staatsbankrott gedroht. Die entsprechenden neuen Gesetze sollen in den kommenden Tagen im Ministerrat in Athen besprochen werden, hieß es aus dem Finanzministerium. Anschließend sollen sie dem griechischen Parlament vorgelegt werden.

Griechenland will bis 2015 rund 78 Milliarden Euro sparen. 50 Milliarden davon sollen durch den Verkauf von Staatsimmobilien und die Privatisierung staatlicher Unternehmen in die Staatskassen fließen. Wie es aus Kreisen des Athener Finanzministeriums hieß, hat Athen weiteren Einsparungen in Höhe von 6,4 Milliarden Euro allein für dieses Jahr zugestimmt. Unter anderem sollen Gehälter von Staatsbediensteten verringert werden. Zudem soll die Mehrwertsteuer für viele Lebensmittel steigen. Am 20. Juni treffen sich die Euro-Finanzminister, um über die Rettung Griechenlands zu sprechen.

In Athen hatten sich zuvor die Proteste gegen die drastische Sparpolitik verschärft. Rund 200 Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft Pame belagerten den Eingang des Finanzministeriums. Sie hängten ein Riesentransparent an dem Gebäude mit der Parole "Kampf für den Umsturz – Generalstreik" auf, rissen die Fahne der EU runter und hissten die eigene der Gewerkschaft.