Wenige Stunden vor der Abstimmung über das umstrittene Sparpaket im griechischen Parlament hat es im Zentrum von Athen erneut gewalttätige Zusammenstöße gegeben. Vermummte griffen die Polizei mit Steinen und Molotowcocktails an. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, die vor das Parlamentsgebäude ziehen wollten. Bei den Auseinandersetzungen wurden offiziellen Angaben zufolge mehr als 300 Menschen verletzt, darunter 38 Polizisten.

Die Parlamentssitzung mit der Abstimmung über ein weiteres Sparprogramm läuft am Vormittag. Am Mittwochmittag wird die Entscheidung erwartet. Das Parlament wurde vor der Abstimmung durch ein großes Aufgebot von Bereitschaftspolizisten vor Demonstranten abgeschirmt. Die Gruppe der Empörten Bürger, die seit Wochen vor dem Parlament kampiert, hatte dazu aufgerufen, das Gebäude der Volksvertretung einzukesseln. Für die Zustimmung zu den neuen Sparmaßnahmen können die regierenden Sozialisten nur auf eine dünne Mehrheit von 155 der 300 Sitze im Parlament bauen. Zudem haben zwei Abgeordnete der Sozialisten bereits angekündigt, dem Sparprogramm nicht zuzustimmen.

Regierung will 78 Milliarden einsparen

Die Regierung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou will bis 2015 gut 78 Milliarden Euro einsparen. Die Maßnahme ist Voraussetzung für ein neues Hilfspaket im Umfang von bis zu 120 Milliarden Euro, das am kommenden Wochenende von den EU-Finanzministern beschlossen werden soll. Billigt das Parlament das Sparprogramm, können weitere internationale Milliardenhilfen eintreffen. Andernfalls wäre das Land bis Mitte Juli zahlungsunfähig.

In der Bevölkerung gibt es erbitterten Widerstand gegen das rigorose Sparprogramm der Regierung. Die Gewerkschaften in Griechenland setzen ihren Generalstreik fort. Am zweiten Tag in Folge sind die meisten Fähren und die Vorstadtbahn von dem Streik betroffen. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie viele Banken werden ebenfalls bestreikt. Auch der Flugverkehr soll betroffen sein. Die Fluglotsen haben Arbeitsniederlegungen angekündigt. Ärzte wollen in Krankenhäusern nur Notfälle behandeln.