Tunesien und Ägypten haben zu Beginn dieses Jahres ein Revolutionstempo vorgegeben, das sich so schnell nicht wiederholen lassen wird. In Ländern wie Jemen oder Syrien stehen sich Regime und Opposition unversöhnlich und ungeschlagen gegenüber, in Libyen herrscht Krieg . Wo stehen die Revolutionen in der arabischen Welt?

Drei Revolutionsmodelle konnten wir seit Beginn des Jahres beobachten. Das erste ist die friedliche Transformation. Der schnelle Machtwechsel in Tunis und Kairo konnte nur gelingen, weil Bedingungen herrschten, die andere Araber entbehren: Eine Armee, die zum Volk hielt, um den Machtwechsel zu ermöglichen und so den Staat zu retten. Eine Spaltung der herrschenden Eliten. Schließlich einen alternden Herrscher, der dem Druck der Armee nachgab.

Inzwischen sehen wir in Ägypten und Tunesien ähnliche Stimmungen aufkommen wie in den osteuropäischen Ländern nach 1989. Auf die Euphorie des Herrschersturzes folgt eine Epoche der Unübersichtlichkeit. Über Kairo liegt eine gewisse Gereiztheit und Unduldsamkeit. Alle wissen, dass das Land neu geordnet wird, alle sind frustriert, dass sie nicht so vorankommen, wie erhofft.

Die Wirtschaftsleistung ist um 25 Prozent eingebrochen. Freundschaften werden gekündigt, neue Allianzen eingegangen. Viele Parteiengründungen und Bewegungsspaltungen verändern die politische Szene. Vier liberale und drei linke Parteien gibt es, mehrere islamisch-konservative Parteien zeichnen sich ab. Im September wird es Parlamentswahlen geben, für das Jahresende sind Präsidentschaftswahlen angekündigt. In Tunesien wird im Juli eine verfassungsgebende Versammlung gewählt. Gewiss, mit Verwerfungen und Überraschungen ist zu rechnen, aber die Entwicklung ist insgesamt erfreulich. Auch in Osteuropa war der demokratische Übergang schließlich lang und holprig.

Niederwerfung

Doch Ägypten und Tunesien sind Ausnahmen. In anderen arabischen Staaten hielten die Eliten zusammen, verweigerte die Armee den Schulterschluss mit den Demonstranten. Dort kam es entweder zur gewaltsamen Niederwerfung der Revolution – oder zum blutigen Patt.

In Bahrain etwa gelang den Herrschern die Unterdrückung der Revolte. Dort ist das Patt zwischen Königshaus und Demonstranten in einen Staatskampf gegen die schiitische Bevölkerung abgerutscht. Die Golfstaaten schickten im März Truppen, die bahrainische Polizei schlug die Demonstrationen nieder, die Amerikaner schwiegen oder flüsterten – auf ihrer Militärbasis. Seither verschwinden Oppositionelle spurlos, stehen Journalisten und Ärzte vor Gericht, werden Zeitungen gleichgeschaltet, sterben politische Gefangene in der Haft. Das Königshaus soll gar schiitische Moscheen eingerissen haben. Ob allerdings die Herrscher so die Ruhe wiederherstellen, die sie vor dem Aufstand hatten, ist mehr als zweifelhaft.