Taucher haben die Antriebswelle des irischen Schiffs Saoirse (Freiheit) in dem türkischen Hafen Göcek angesägt, so dass das Schiff nicht an der Fahrt teilnehmen kann. Das teilte die Gruppe Irish Ship to Gaza (ISG) mit. Die Organisation beschuldigt Israel als Hauptverdächtigen dieses "professionellen und sehr kalkulierten Sabotage-Akts". Nur wenige Tage zuvor wurde das Schiff Juliano der Flotte schwer beschädigt.

ISG-Koordinator Fintan Lane sprach von einer "rücksichtslosen Aktion" und einem "Akt des internationalen Terrorismus", der zum Tod irischer Bürger hätte führen können. "Wenn wir den Schaden nicht rechtzeitig bemerkt hätten, wären wir mit einer gefährlich beschädigten Antriebswelle in See gestochen und das Schiff wäre gesunken, wenn der Rumpf beschädigt worden wäre", sagte Lane.

Nach Angaben der ISG hat sich die angeschnittene Antriebswelle während der Fahrt verbogen und ist später gebrochen. Dabei hätte nach Angaben der Aktivisten das Schiff sinken können. Der Schaden sei bei einer Testfahrt festgestellt und dann an Land überprüft worden. "Das wurde nicht gemacht, um das Schiff am Auslaufen zu hindern. Es war vielmehr beabsichtigt, dass der Schaden auf hoher See auftritt und mehrere der Menschen an Bord in den Tod reißt", vermutet Lane.

Die irisch-republikanische Partei Sinn Fein forderte Premierminister Enda Kenny auf, umgehend eine Erklärung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu verlangen. Sollte Israel sich nicht äußern, solle Kenny in Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden Ermittlungen einleiten, forderte die Partei.

Die Juliano war am Montagabend im Hafen von Piräus bei Athen schwer beschädigt worden. Nach Angaben der Schiffseigner hatten Unbekannte bei einem "Sabotage-Akt" die Schiffsschraube und die Antriebswelle beschädigt. Die Juliano sollte griechische, schwedische und norwegische Aktivisten transportieren.

Die Hilfsflottille aus etwa zehn Schiffen will die von Israel verhängte Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen, um etwa 3.000 Tonnen Hilfsgüter in das Palästinensergebiet zu bringen. Rund 300 pro-palästinensische Aktivisten sowie 35 Journalisten aus 22 Ländern wollen sich an der Aktion beteiligen. Seit zwei Monaten gibt es um diese Flottille Streit. Israel hatte eine erste Flottille vor etwa einem Jahr gewaltsam gestoppt. Dabei hatten israelische Soldaten neun türkische Aktivisten erschossen. Das Vorgehen der Soldaten war international scharf verurteilt worden und hatte die Beziehungen Israels zur Türkei schwer belastet.

Auch jetzt hat Israels Regierung seine Marine angewiesen, eine Ankunft der Schiffe im Gaza-Streifen zu unterbinden. Sie sollte aber eine "Konfrontation mit den Menschen an Bord der Schiffe so weit wie möglich vermeiden", erklärte Netanjahu.