Geschafft! Es ist der sozialdemokratischen Regierung von Giorgos Papandreou gelungen, das harte Reform- und Sparpaket durchs Parlament zu boxen . Der Premier sammelte sogar vier Stimmen mehr als nötig ein, es war ein sicherer Sieg. Die Abstimmung über weitere Durchführungsgesetze am Donnerstag dürfte nun wohl nicht mehr schief gehen.

Doch vor dem Parlament liefen in den letzten Tagen die Demonstranten Sturm gegen das harte Sparprogramm . Das lässt ahnen, was auf Papandreou zukommt, wenn er die beschlossenen Gesetze tatsächlich umsetzen will.

Der Papandreou, der da vor dem Parlament für die Rezepte der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds kämpfte, ist nicht mehr der Papandreou von 2010. Seine Popularität hat arg gelitten in den vergangenen Krisenmonaten, seine Partei ist in den Umfragen abgerutscht. Laut Wahlkalender läuft die Amtszeit des griechischen Regierungschefs bis 2013. Aber viele Landsleute finden, dass ihm das Mandat für ein so hartes Sparprogramm fehle. Vor allem, weil er im Wahlkampf 2009 Mehrausgaben versprochen hatte.

Seine politischen Gegner nutzen genau das aus. Der Führer der konservativen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras , verspricht sich neue Popularität aus seinem Nein zu den Programmen von EU und IWF. Er macht den Griechen vor, dass man sich auch mit kräftigen Steuersenkungen und weniger Sparen durchmogeln kann.

Das ist hemmungslos populistisch oder bestenfalls unrealistisch. Auf jeden Fall bringt es Prozente in den Umfragen. Und das zählt für diesen Mann, der das alte Nullsummenspiel der griechischen Politik betreibt.

Die große Mehrheit der Griechen indes hofft weder auf Papandreou noch auf Samaras. Die Menschen wenden sich verdrossen von Pasok und Nea Dimokratia ab. Sie gehen in die Fundamentalopposition zum alten Parteienstaat. Dies könnte ein wichtiger Anstoß für eine Erneuerung des griechischen politischen Systems sein, wenn denn die Demonstranten in der Lage wären, konkrete Vorschläge zu machen. Doch die Energie darf sich nicht in der Ablehnung von Sparpaketen und der Privatisierung öffentlichen Eigentums erschöpfen.

Man möchte schon hören, welche Vorschläge unabhängige junge Köpfe jenseits der Parteien zur Gesundung ihres Landes entwickeln, die an der dramatischen Finanzlage nicht vorbeisehen und trotzdem das überlebte Wirtschafts- und Sozialsystem erneuern wollen. Darüber wird derzeit in der außerparlamentarischen Opposition intensiv diskutiert – mit dem Blick in eine fernere Zukunft.

Für Papandreou sind das nicht die Fragen des Tages. Zusammen mit seinem starken Finanzminister Evangelos Venizelos muss er das Sparprogramm durchsetzen und weitere bittere Einschnitte bei Löhnen und Gehältern vornehmen. Er muss Behörden zusammenlegen und Angestellte entlassen. Er muss den Widerstand der Gewerkschaften gegen die Privatisierung von Staatsbetrieben brechen. Das alles wäre auch für eine populärere Regierung eine riesige Herausforderung.

Aber Papandreou hat keine Alternative. Dieses Reform- und Sparprogramm ist seine letzte Chance als Premier. Es könnte auch der letzte Ausweg für Griechenland vor einer möglichen Staatspleite sein. Man kann nur hoffen, dass der Regierungschef so lange wie möglich durchhält. Damit nach ihm junge, kreative Köpfe das Land führen. Und nicht einfach der schlichte Nein-Sager Samaras, der schon heute ziemlich alt aussieht.