Kroatien steht vor einem Beitritt zur Europäischen Union. Er habe den EU-Staaten empfohlen, die Verhandlungen mit dem Balkan-Land zu beenden und Kroatien als 28. EU-Mitglied aufzunehmen, teilte Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit. Kroatien erfülle die Bedingungen für eine Aufnahme in den Staatenbund.

Die Mitgliedsländer müssen nun noch darüber abstimmen, was noch in diesem Jahr geschehen könnte – möglicherweise schon auf dem EU-Gipfeltreffen Ende Juni in Brüssel. Damit würde das Land nach den Worten Barrosos voraussichtlich ab Juli 2013 dazugehören. Aber in Kroatien selbst ist noch eine Volksabstimmung vorgesehen.

Kroatiens Präsident Ivo Josipović sagte in einem Interview, mit dem Beitritt zur EU werde "eine neue Seite unserer Geschichte aufgeschlagen". Kroatien sei erst vor 20 Jahren infolge der Balkan-Kriege unabhängig geworden. "Wir hatten eine schwierige Geschichte. Nach Slowenien wäre Kroatien das zweite Land, das aus dem früheren Jugoslawien hervorgegangen ist und EU-Mitglied wird. Erweiterungskommissar Stefan Füle sprach von "dem Ende einer langen Reise".

Die Beitrittsverhandlungen hatten 2005 begonnen. Vor einem Beitritt in die Staatengemeinschaft muss sichergestellt sein, dass ein Land das EU-Recht in Politik und Wirtschaft, sowie in der Sozialpolitik und der Justiz einhält. Das Balkanland habe als Rechtsstaat sowie als Marktwirtschaft gewaltige Veränderungen durchlaufen, sagte Füle.

Die Regierung habe Fortschritte im Kampf gegen Korruption gemacht und den Rechtsstaat gestärkt. Zuletzt hatte es in der EU Kritik an der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien gegeben, da es in den Ländern Probleme mit Rechtssicherheit und Korruption gebe.

Barroso nannte den bevorstehenden EU-Beitritt ein "Zeichen an den Rest Südosteuropas", dass "sich Reformen auszahlen". Er hoffe, dass sich andere Länder der Region angespornt fühlten.

Um die Empfehlung der Kommission zu erlangen, musste Kroatien insgesamt 35 Verhandlungsphasen durchlaufen. Die letzten offenen Punkte waren die Justizreform, der Kampf gegen Korruption, die Ahndung von Kriegsverbrechen während des Balkankonflikts in den neunziger Jahren sowie die Sanierung maroder Schiffswerften in Staatshand.

Nachdem der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladić im vergangenen Monat gefasst und an den internationalen Strafgerichtshof ausgeliefert worden ist, kann sich vor allem Serbien Hoffnungen machen, rasch Beitrittskandidat zu werden. Mazedonien hat seit Ende 2005 Kandidaten-Status, die Gespräche sind jedoch gestoppt. Auch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und die Republik Kosovo hoffen auf eine Annäherung.