Das UN-Tribunal hat die Anklageschrift zum Hariri-Mord an den Libanon übergeben. Die Staatsanwaltschaft in Beirut hält die genauen Inhalte jedoch noch unter Verschluss. Die Identität der mutmaßlichen Mörder des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri soll bis zu deren Verhaftung geheim bleiben. Das hat der zuständige Richter des Sondertribunals für den Libanon, Daniel Fransen, verfügt. Die Geheimhaltung diene vor allem der Unterstützung der libanesischen Behörden und deren Bemühungen um die Festnahme der Verdächtigen.


Nach Informationen aus Justizkreisen enthält die Anklageschrift vier Haftbefehle gegen Mitglieder der militanten Schiitenbewegung Hisbollah. Sie würden mit dem Mord an Hariri in Verbindung gebracht. Entsprechende Vorwürfe wies die Hisbollah – Regierungsmehrheit im Libanon – zurück. In einer Regierungserklärung hieß es, man werde die Arbeit des Gerichts genau verfolgen.

Rafiq al-Hariris Sohn, der Oppositionspolitiker Saad al-Hariri, beschrieb die Übergabe der Anklageschriften als "historischen Augenblick" und forderte die Regierung zur Zusammenarbeit auf. Er erklärte, die Ära der Mörder sei vorbei und der Moment der Gerechtigkeit rücke näher.

Die Hisbollah lehnt die UN-Ermittlungen jedoch ab und hat das Tribunal als Werkzeug der USA und Israels verurteilt. Die Schiiten-Gruppe hat geschworen, keines ihrer Mitglieder auszuhändigen und verlangt von der Regierung, die Zusammenarbeit mit dem Gericht zu beenden.

Neben den vier Verdächtigen aus der Hisbollah soll das UN-Sondertribunal nach libanesischen Angaben noch weitere mutmaßliche Täter identifiziert haben: Libanesen, Syrer und Palästinenser. "Die meisten der genannten Verdächtigen halten sich nicht im Libanon auf und könnten nach dem Mord nach Iran geflohen sein", sagte ein libanesischer Sicherheitsbeamter.

Kurz nach der Übergabe der Anklageschrift marschierte die Armee in mehreren Beiruter Stadtteilen auf. So sollten mögliche Zusammenstöße zwischen Hisbollah-Anhängern und Vertretern einer pro-westlichen Allianz von Sunniten und Christen verhindert werden.

Al-Hariri wurde am 14. Februar 2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet. Mit ihm starben 22 weitere Menschen. Das Attentat hatte die anti-syrischen Tendenzen im Libanon verstärkt. Assad musste seine Truppen und Agenten aus dem Nachbarland abziehen. In den folgenden Jahren wurden weitere anti-syrische Politiker im Libanon ermordet. Keines dieser Attentate wurde bislang aufgeklärt.