Die Nato sieht sich trotz relativierender Äußerungen aus Mitgliedsstaaten finanziell ausreichend für den Kampf gegen das Regime in Libyen gerüstet. Das Bündnis verfüge über ausreichend Kraft, um den Einsatz fortzusetzen, sagte eine Sprecherin. Das Einsatztempo der Truppen sei weiterhin hoch. "Die Nato hat ganz klar die nötigen Ressourcen, um den Druck auf die Regierung Gadhafi aufrechtzuerhalten." Die nächste Verlängerung des Einsatzes ist für 90 Tage ab dem 27. Juni vorgesehen.

Die Nato reagierte damit auf Kritik von US-Verteidigungsminister Robert Gates, der in einer Rede in Brüssel davor gewarnt hatte, das Bündnis könne seine Einsatzfähigkeit verlieren. Außerdem beklagte er, dass die USA mangelnde militärische Fähigkeiten anderer Staaten ausgleichen müssten. Zudem hatten am Dienstag auch ranghohe Militärs aus Großbritannien und Frankreich ihre Sorge geäußert, dass der Einsatz nicht über den bislang beschlossenen Zeitraum hinaus verlängert werden könnte. Spätestens ab September sei seine Regierung gezwungen, über Prioritäten neu zu entscheiden, sagte der Oberkommandierende der britischen Marine, Mark Stanhope und führte vor allem das Engagement in Afghanistan an.

In Frankreich sieht das Militär den Einsatz auch kritisch, hält sich aber öffentlich zurück, um den Präsidentschaftswahlkampf nicht zu überlagern. Ab 20. Juli, vier Monaten nach Beginn des Einsatzes, braucht Nicolas Sarkozy einen Beschluss des Parlaments. Er hofft, dass Machthaber Gadhafi bis dahin aufgegeben hat.

Nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens griffen auch am Dienstag Nato-Flugzeuge Tripolis an. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete unter Berufung auf den Sender, militärische und zivile Ziele im Osten der Stadt seien getroffen. Es soll Opfer gegeben haben.

Im Westen der Hafenstadt Misrata verstärkten die Aufständischen ihre Angriffe. Ihre Verbände seien erneut gegen die Stadt Slitan vorgerückt. Der 160 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Ort sei unter Kontrolle der Gadhafi-Truppen, berichtete der Rebellen-Fernsehsender Libya TV. Bei einem Artilleriegefecht waren an dieser Front am Vortag zwei Aufständische gestorben und ein weiteres Dutzend verletzt worden, wie Krankenhausärzte in Misrata bestätigten.

Gadhafis Truppen beschossen mit ihren Raketen auch die Raffinerie von Misrata. Sie beschädigten zwei Generatoren schwer, trafen aber keine Öllager, berichtete ein dort arbeitender Ingenieur.

Bei Kämpfen mit den Regierungstruppen nahe der Stadt Brega erlitten die Rebellen nach eigenen Angaben schwere Verluste. An der Front zwischen Adschdabija und Brega starben 21 Rebellen in einem Hinterhalt.

Südwestlich von Tripolis eroberten die Rebellen nach Angaben einer Agentur einen strategisch wichtigen Ort. Das Dorf El Raianija liegt an der Straße zwischen den bereits von den Rebellen kontrollierten Städten Senten und Jefren. Die Rebellen haben das Ziel, alle zwischen den beiden Städten gelegenen Orte einzunehmen. Die Regierungstruppen feuerten jedoch weiter Raketen auf den Ort, außerdem gab es Kämpfe zehn Kilometer weiter östlich.