Der marokkanische König Mohammed VI. hat Einzelheiten der geplanten Verfassungsreform bekannt gegeben. In einer Rede an die Nation stellte der Monarch den Entwurf vor, der ihm allerdings weiterhin großen Einfluss als Staatschef und oberste Religionsinstanz sichert. Im Juli soll das marokkanische Volk in einem Referendum über die Verfassungsreform abstimmen.

Künftig muss der König einen Premierminister aus der Partei ernennen, die bei Wahlen die meisten Parlamentssitze erhalten hat; bislang konnte er den Regierungschef nach Gutdünken bestimmen. Zugleich erhält der Premier weitere Befugnisse wie das Recht, Minister zu entlassen oder das Parlament aufzulösen. Letzteres war bisher dem Monarchen vorbehalten. Außerdem kann der Premier dem König künftig Kandidaten für Botschafterposten und die Führung von staatlichen Unternehmen vorschlagen. Zudem ist eine Trennung von Judikative und Exekutive vorgesehen.

Auch das Parlament soll mehr Befugnisse erhalten. Es darf zum Beispiel eine Generalamnestie erlassen – auch das war bislang ausschließliches Recht des Monarchen. Außerdem wird die Berbersprache Tamazight in der Präambel des Verfassungsentwurfs neben dem Arabischen als offizielle Sprache geführt.

Die geplante Verfassungsreform solle "die Säulen einer konstitutionellen, demokratischen, parlamentarischen und sozialen Monarchie festigen", sagte der Monarch. Die zentrale Rolle im Machtgefüge bleibt der Monarchie dabei erhalten. So sieht der Entwurf vor, dass der König als "Kommandeur der Gläubigen" weiterhin die höchste religiöse Autorität des Landes ist. Die neue Verfassung betont zudem die Unverletzlichkeit der Person des Monarchen.

Als Vorsitzender des Ministerrates, der die Richtlinien der marokkanischen Politik bestimmt, kommt dem König auch in der Tagespolitik eine Schlüsselrolle zu. Ebenfalls unter seinem Vorsitz tagt der Sicherheitsrat, ein neu zu schaffendes Gremium mit Zuständigkeit für die innere Sicherheit, wie Mohammed VI. ausführte. Der Monarch fungiert zudem weiterhin als Oberkommandierender der Streitkräfte des Landes und setzt sämtliche Botschafter und Diplomaten ein.

Der 47-jährige König hatte Anfang März als Reaktion auf Demonstrationen in Marokko eine Verfassungsreform angekündigt. In Marokko hatte es zuletzt immer wieder öffentlich Forderungen nach tief greifenden politischen Reformen gegeben.

Die Protestbewegung in Marokko kritisierte die angekündigten Änderungen als unzureichend. Sie erfüllten die Forderungen nach einer "echten Gewaltenteilung" nicht, sagte ein Vertreter der Bewegung des 20. Februar, die nach dem ersten Tag der Proteste in dem nordwestafrikanischen Land benannt ist, der Nachrichtenagentur AFP. Deshalb seien für Sonntag in mehreren Städten "friedliche" Demonstrationen für eine "wirklich demokratische Verfassung und eine parlamentarische Monarchie" geplant.