Nato-Flugzeuge sollen das Wohnhaus des libyschen Führungsmitglieds Al-Chuedi al-Hamidi angegriffen und dabei 15 Menschen getötet haben. Unter den Opfern seien auch drei Kinder, sagte ein Sprecher der libyschen Regierung, Mussa Ibrahim. Al-Hamidi sei nicht verletzt worden.

Die BBC berichtete, dass der Gebäudekomplex anscheinend von acht Luft-Boden-Raketen getroffen wurde. Das Anwesen befindet sich 80 Kilometer westlich von Tripolis. Nach Angaben der Regierung soll der Angriff gegen vier Uhr morgens stattgefunden haben. Ibrahim sprach von einer "terroristischen und feigen Tat", die "nicht zu rechtfertigen" sei.

Die Nato hat die Vorwürfe zuerst zurückgewiesen. "Wir haben dort überhaupt nicht operiert", sagte ein Vertreter des nordatlantischen Bündnisses in Brüssel, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der einzige Angriff in der Nacht zum Montag sei über Tripolis geflogen worden, allerdings nicht um vier Uhr morgens. Er habe eine Abschussrampe für Boden-Luft-Raketen zum Ziel gehabt. "Wir weisen nachdrücklich jede Beteiligung zurück", sagte der Nato-Vertreter. Später räumte die Nato den Angriff ein. Sie betonte, dass der Angriff jedoch ein militärisches Ziel gehabt habe.

Al-Hamidi gehört zum inneren Machtzirkel um Oberst Muammar al-Gadhafi. Er war ein Gefährte des Diktators, als dieser sich 1969 unblutig an die Macht putschte. Eine seiner Töchter ist mit Gadhafis ältestem Sohn Saadi verheiratet. Zuletzt kursierten allerdings Gerüchte, dass er seine politischen Ämter niedergelegt habe und unter Hausarrest stehe.

Das nordatlantische Bündnis greift auf der Grundlage eines UN-Sicherheitsratsmandates militärische Ziele in Libyen an, um die Zivilbevölkerung vor Übergriffen des Gadhafi-Regimes zu schützen. Gezielte Attacken auf Gadhafi selbst oder sein Führungspersonal sind nach Ansicht von Experten durch dieses Mandat nicht gedeckt.

Am Sonntagabend hatte die Nato eingeräumt, irrtümlich ein Wohnhaus in Tripolis bombardiert zu haben. Der Oberkommandeur des Nato-Einsatzes in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, bedauerte in einer Erklärung den Vorfall. Dabei waren nach offiziellen libyschen Angaben in der Nacht zum Sonntag drei Zivilisten, unter ihnen ein Kleinkind, ums Leben gekommen.