Erfolgreiche sozialdemokratische Parteien sind selten geworden. Die australische Labor Party (ALP) ist zumindest auf den ersten Blick eine Ausnahme: Nach dem Wahlsieg 2007 konnte sich die Partei auch 2010 an der Macht halten. Doch dienen die australischen Genossen als Vorbild für eine neue Idee von Politik und Partei, nach der es ihren europäischen Schwesterparteien so sehr dürstet?

Zunächst einmal hat auch die australische Labor Party ähnliche Probleme wie andere sozialdemokratische Parteien. Seit den Nachkriegsjahren hat sich die Zahl der Mitglieder halbiert, Schätzungen gehen derzeit von 30.000 bis 40.000 Mitgliedern aus. Viele Ortsvereine mussten bereits dicht machen. Auch an der Wahlurne blieb die Labor Party lange erfolglos: Elf quälend lange Jahre musste sie bis zum Wahlsieg 2007 in der Opposition ausharren.

Ausgerechnet in dieser Periode erlebte das Land unter dem konservativen Premierminister John Howard einen beispiellosen ökonomischen Aufschwung, der dem Wirtschaftsliberalismus seiner Partei eine politische Vormachtstellung bescherte. Obwohl es bereits Anzeichen dafür gab, dass Millionen Australier nicht von dem Boom profitieren würden, zeigte die Labor Party in der Opposition keine Bemühungen, eine Alternative zu dieser Politik zu entwickeln. Stattdessen versprach sie weniger Staat, schloss Steuererhöhungen für Reiche und Unternehmen aus und räumte einem ausgeglichenen Staatshaushalt oberste Priorität ein.

Schon in den 1980er Jahren waren die australischen Genossen von der Alternativlosigkeit neo-liberaler Wirtschaftspolitik überzeugt: Sie wendeten sich als eine der ersten sozialdemokratischen Parteien von traditioneller sozialdemokratischer Programmatik ab.

Und auch auf anderen Politikfeldern, etwa beim Asylrecht und der Sicherheitspolitik, suchte die Labor Party zwischen 1996 und 2007 den Konsens mit den Konservativen. Selbst als Howard Australien an der Seite von US-Präsident Bush in den Irakkrieg führte, leisteten die Sozialdemokraten keinen Widerstand.

Kurzum: Die Partei versäumte es, sich von den Konservativen abzugrenzen. Die Wähler quittierten das mit Wahlniederlagen ganz nach dem Motto: "Wieso soll ich mich für die Kopie entscheiden, wenn ich das Original haben kann?"

Der Erfolg bei den Wählern kehrte erst 2007 zurück, als Parteichef Kevin Rudd neue Politikfelder für die australischen Sozialdemokraten erschloss und sich damit wieder von den Konservativen entfernte. Er nannte den Klimawandel die "größte moralische Herausforderung unsere Zeit", versprach das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen und setzte sich für eine gerechtere Politik gegenüber australischen Ureinwohnern und Asylbewerbern ein. An der Seite der Gewerkschaften machte er im Wahlkampf Politik gegen "Work Choices", ein Gesetzesvorhaben der Konservativen, dass die Arbeitnehmerrechte stark einschränken und die Macht der Gewerkschaften beschneiden sollte.

Doch schon bald schwand das Glück des zunächst äußerst populären Premiers. Er konnte keine vorzeigbaren Erfolge beim Klimaschutz erzielen, sein Kampf gegen "Work Choices" geriet zum politischen Bumerang: Kaum in der Regierung angekommen, verabschiedete Labor ein Gesetz, das die zentralen Regelungen von "Work Choices" beibehielt, womit er den Zorn seiner Unterstützer auf sich zog. Nachdem Rudd dann auch noch eine Extrasteuer auf die Gewinne der boomenden Bergbauindustrie plante, mit der er sowohl Unternehmer, als auch die um ihre Arbeitsplätze fürchtenden Arbeiter gegen sich aufhetzte, war er in der Partei nicht mehr haltbar.