Das Jahr 2001 war ein Paukenschlag für die norwegische Arbeiterpartei (AP). Die Genossen sackten bei der Parlamentswahl auf 24,3 Prozent ab – und verloren damit über zehn Prozentpunkte zum Jahr 1997. Die Partei, die seit 1945 insgesamt mehr als 40 Jahre lang an der Macht gewesen war, fand sich auf den Oppositionsbänken wieder. Vieles deutete darauf hin, dass auch in der ehemaligen Hochburg Norwegen der leuchtende Stern der Sozialdemokratie verblasst war.

Der Grund für das schlechte Ergebnis: Bei der Wahl 2001 fielen innerparteiliche Führungskämpfe, Konflikte mit dem Gewerkschaftsdachverband und der Unmut der Wähler über Privatisierungsbestrebungen der AP zusammen. Die Quittung folgte prompt. Viele gewerkschaftsnahe Arbeiter, ehemals Stammwähler der AP, blieben entweder zu Hause oder liefen zu den Linkssozialisten über. Und auch die andere Kerngruppe der AP, die Beschäftigten des öffentlichen Sektors, wollten die Kürzungs- und Privatisierungswellen nicht mehr mittragen. Die Partei entkernte sich selbst, obwohl sie keinen so weitreichenden Reformprozess angestoßen hatte wie New Labour unter Tony Blair oder die SPD unter Gerhard Schröder.

Die schmerzliche Niederlage sorgte für ein Umdenken in der Partei. Der Parteivorsitzende Jens Stoltenberg, lange auch "norwegischer Tony Blair" genannt, verabschiedete sich von seinem Reformerimage und stärkte gezielt Vertreter des linken Flügels. Gleichzeitig suchte die AP die Annährung an den Gewerkschaftsverband LO, beteiligte die Arbeitnehmervertreter an einer wohlfahrtsstaatlichen Ausrichtung der Partei und sprach sich dagegen aus, weitere öffentliche Betriebe zu privatisieren.

Auch bündnispolitisch stellte sich die AP neu auf. Auf dem Parteitag im März 2004 plädierte Stoltenberg dafür, eine Mehrheitsregierung zu bilden. Für die Arbeiterpartei kam das einem politischen Erdbeben gleich: Die Partei, die über Jahrzehnte jegliche Koalitionen abgelehnt hatte und in Minderheitsregierungen den Ton angab, rang sich dazu durch, schon vor der Wahl 2005 eine Mehrparteienkoalition mit den Linkssozialisten und der Zentrumspartei anzustreben. Ein historisches Bündnis war geboren.

Für die AP war dieses Bündnis gleich aus drei Gründen besonders vorteilhaft. Erstens war es eine klar berechenbare Alternative zu den unsicheren Minderheitsregierungen der letzten Jahre. Zweitens konnte sich die Partei durch die Einbindung der Linkssozialisten wieder an die Gewerkschaften annähern und den Wohlfahrtsstaat authentisch nach außen tragen. Und drittens schwächte die AP das bürgerliche Lager zusätzlich, indem sie die grün-agrarische Zentrumspartei in die Koalition einbezog.

Schon bei der Wahl 2005 zahlte sich dieses Kalkül aus: Die AP schaffte es, mit der rot-rot-grünen Koalition eine Mehrheit zu erringen und wieder über die 30 Prozent zu kommen. Besonders gewerkschaftliche Stammwähler kehrten zur AP zurück und begrüßten den Wandel der norwegischen Sozialdemokratie. Programmatisch setzte die Partei ab dem Jahr 2005 auf einen gesamtgesellschaftlichen Politikentwurf und warb mit Slogans wie "Arbeit für alle" und "Alle sollen mit".