Sie haben es nicht leicht dieser Tage, die spanischen Sozialdemokraten um Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Ausdauernd demonstrieren Zehntausende junge Menschen auf dem Puerta del Sol für "echte Demokratie", bei den Kommunalwahlen am 22. Mai erlitten die Genossen eine historische Schlappe.

Dabei hatte doch alles so gut angefangen für die Regierung Zapatero: 2004, vor gut sieben Jahren, wurde die sozialistische Partei (PSOE) von einer Welle der Empörung gegenüber dem stümperhaften Umgang der regierenden Konservativen mit den Bombenanschlägen von Madrid überraschend ins Amt getragen. Die Sozialdemokraten hielten sich für gut gerüstet, war doch die grundlegende Erneuerung der Partei gerade abgeschlossen, die die Partei wieder zu einem zentralen Ort der politischen und gesellschaftlichen Debatten gemacht hatte.

Dem Wahlsieg 2004 gingen acht harte Jahre auf der Oppositionsbank voraus, die mit dem abrupten Ende der Präsidentschaft von Felipe Gonzales im Jahre 1996, immerhin 14 Jahre im Amt, begannen – und anfangs einem Selbstzerfleischungsprozess glichen. Augenfälligstes Beispiel: der gescheiterte Versuch, die Parteibasis im Jahr 2000 durch Vorwahlen des Präsidentschaftskandidaten stärker einzubinden. Das Ergebnis war nicht, wie erhofft, eine selbstbewusste Partei mit einem starken Spitzenkandidaten, sondern die faktische Zweiteilung der Führungsspitze, nachdem sich überraschend ein Kandidat der Parteilinken durchsetzen konnte. Die Zerrissenheit der Sozialdemokraten verhalf der konservativen Partido Popular (PP) erstmals in der Geschichte zur absoluten Mehrheit. Die Beziehungen zur Parteibasis und den Gewerkschaften waren zerrüttet und die spanische Sozialdemokratie galt als phlegmatischer Ort alter Männer.

Das war die Stunde von José Luis Rodríguez Zapatero. Unter seiner Ägide als Generalsekretär und Parteiführer ab dem Jahr 2000 begann ein fundamentaler Erneuerungsprozess, der "Neue Weg – Nueva Vía", der sich zunächst in einem Generationswechsel manifestierte. Mit Zapatero zog eine neue Generation in die obersten Parteietagen ein. Erstmals standen Männer an der Parteispitze, die nicht durch die Zeit der Franco-Diktatur – bei vielen sozialdemokratischen Politikern gleichbedeutend mit der Zeit des Exils – geprägt waren. Für die neue Führungsriege um Generalsekretär Zapatero war die Demokratie Selbstverständlichkeit.

Der erste Schritt auf dem Weg zurück zur Regierungsverantwortung war die Einleitung eines ideologischen und organisatorischen Wandels. Man wollte die Partei öffnen und gleichzeitig gesellschaftspolitischen Themen mehr Raum geben. Dabei grenzten sich die Sozialdemokraten bewusst von den seit 1996 regierenden Konservativen unter Ministerpräsident Aznar ab, aber auch von den sozialdemokratischen "dritten" Wegen eines Tony Blair, Bill Clinton oder Gerhard Schröder. Zapatero suchte eine eigene Neuinterpretation sozialistischer Ideale.

Die neue Leitidee des neuen Parteichefs hieß "civic republicanism", geprägt vom irischstämmigen Philosophen Philip Pettit, der Zapateros Vorstellung von einer "Gesellschaft der Gleichen" formulierte. Demnach soll der Staat durch seine Bürger kontrolliert und gesteuert werden. Mit der Regierungsübernahme und einer prosperierenden Ökonomie im Rücken versuchte Zapatero dieses Ideal umzusetzen – etwa in der Familien- und Minderheitenpolitik, in der Neubewertung des staatlichen Verhältnisses zur Kirche oder im offensiven Umgang mit der Franco-Diktatur.

Aber auch innerparteilich öffneten sich die Sozialdemokraten: Erstmals bezogen sie registrierte Sympathisanten – und damit Nicht-Parteimitglieder – in ihre Debatten ein. Die neuen Stimmen in der Partei erwiesen sich als wichtige Scharnierstelle zu sozialen Bewegungen und anderen gesellschaftlichen Gruppen. Insgesamt ist unter Zapateros Ägide die registrierte Anhängerschaft der Partei deutlich angestiegen, die Zahl der eingeschriebenen Sympathisanten ist mittlerweile mit gut 370.000 sogar höher als die ebenfalls leicht wachsende Zahl der Vollmitglieder.