Das syrische Militär geht inzwischen auch aus der Luft gegen die seit Monaten demonstrierenden Regierungsgegner vor. In der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numaan feuerte die Armee einer Menschenrechtsgruppe zufolge am Freitag aus Kampfhubschraubern auf Zehntausende Demonstranten. Es sind die ersten Berichte über einen Lufteinsatz gegen die Regierungsgegner, die aus Syrien nach Außen drangen.

Während im UN-Sicherheitsrat am Freitag weiter über eine Resolution gegen Syrien debattiert wurde, nannte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Gewalt der Sicherheitskräfte "inakzeptabel". Auch die USA haben Syrien derweil aufgefordert, die Gewalt gegen Demonstranten "sofort" zu beenden. "Die Vereinigten Staaten verurteilen die abscheuliche Gewalt in ganz Syrien und vor allem in der nordwestlichen Region", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Freitag in Washington. Diese Gewalt müsse umgehend beendet werden.

Bereits gestern war die syrische Armee in der Stadt Dschisrasch Schugur, an der Grenze zur Türkei, mit Gewalt gegen Regimegegner vorgegangen. Laut Augenzeugen fuhren Dutzende Militärfahrzeuge durch umliegende Dörfer und schossen auf Demonstranten. Dabei sei ein Mann getötet worden, der sich dem Konvoi in den Weg gestellt habe.

Der Einsatz in der Stadt ziele darauf ab, "bewaffnete Banden" festzunehmen und sei "auf Wunsch der Bevölkerung" begonnen worden, berichtete das Fernsehen. Die Bewohner der Stadt befürchteten seit Tagen eine Vergeltungsaktion der Armee, nachdem vor einer Woche angeblich 120 Polizisten durch Rebellen ermordet worden waren. Aktivisten und Oppositionelle hatten das zurückgewiesen und gesagt, es habe eine Meuterei bei der Polizei gegeben, weil Sicherheitskräfte nicht auf Demonstranten hätten schießen wollen.

Eindeutige Informationen aus dem Land sind kaum zu bekommen, die wesentlichsten Quellen sind Augenzeugen, online veröffentlichte Videos wie eine nicht verifizierte Aufnahme von Misshandlungen oder Vertreter von Menschenrechtsgruppen. Für ausländische Journalisten ist das Land offiziell gesperrt.

Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten starben allein bei Protestaktionen nach den Freitagsgebeten mindestens sieben Menschen. Drei Zivilisten wurden im Viertel Kabun der Hauptstadt Damaskus von Sicherheitskräften erschossen, wie der Chef des syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte, Rami Abdel-Rahman, in London mitteilte. Zwei weitere Tote gab es demnach in der Ortschaft Bosra el Harir in der südlichen Region Daraa, ein Mensch sei in der Küstenstadt Lattakia im Norden des Landes ums Leben gekommen. Auch in El Sirmanja in der Provinz Idleb wurde ein Demonstrant erschossen, wie ein anderer Menschenrechtsaktivist sagte.

Die Opposition hatte zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Bei Facebook gaben sie den Demonstrationen den Namen "Freitag der Stämme".

Auch die Türkei kritisierte das harte Vorgehen gegen Demonstranten – und das ungewohnt scharf. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan warf Syrien "Gräueltaten" an Zivilisten vor. Die Behörden verhielten sich "nicht menschlich". Erdoğan sagte, er habe vor einigen Tagen mit Präsident Baschar al-Assad gesprochen. Dessen Vorgehen sei "inakzeptabel".

In der vergangenen Woche hatte Erdoğans Regierung erstmals Kontakte zur syrischen Opposition bestätigt. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei erhöhte sich indes auf etwa 2.700. Einige von ihnen berichteten, iranische Soldaten unterstützten die Sicherheitskräfte beim Vorgehen gegen die Demonstranten. Deutschland kündigte der Türkei humanitäre Hilfe an.