Nach der Niederschlagung der Proteste in der Stadt Dschisr al-Schogur rückt die syrische Armee nach Angaben der Opposition auf die südlich gelegene Stadt Maarat al-Numan vor. Dutzende Panzer seien nur noch wenige Kilometer entfernt. In Maarat al-Numan haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad protestiert. In Dschisr al-Schogur hatte das regimetreue Militär von Baschar al-Assad gerade seine Strafexpedition abgeschlossen. Zahlreiche Bürger seien verhaftet und getötet worden, berichtete die Opposition.

Die Behörden präsentierten ein Massengrab, aus dem zwölf Leichen geborgen wurden. Es handele sich um die sterblichen Überreste von Polizisten und Soldaten. Nach Darstellung der staatlichen Medien wurden sie von "bewaffneten Banden" getötet. Hintergrund der groß angelegten Militäraktion in der Provinz Idlib ist nach Angaben von Oppositionellen jedoch eine Meuterei innerhalb der Regierungstruppen. Aktivisten aus Dschisr al-Schogur berichteten, dass es dort vor zehn Tagen eine Schießerei unter Sicherheitskräften gegeben habe, weil einige Soldaten nicht auf Demonstranten schießen wollten.


Die Militäroffensive hat zu einem großen Flüchtlingsstrom in die benachbarte Türkei geführt. Nach türkischen Angaben trafen 7.000 Syrer in den vom türkischen Roten Halbmond errichteten Lagern im Grenzgebiet ein. In der Nacht zum Dienstag überquerten weitere 2.000 Menschen die Grenze. Einige von ihnen hätten ursprünglich vorgehabt, auf der syrischen Seite der Grenze auszuharren. Doch nach einem Unwetter in der Nacht wollten sie mit ihren Kindern nicht länger unter Obstbäumen im Freien übernachten, berichtete eine dpa-Reporterin aus dem Grenzgebiet. Die meisten Vertriebenen, die über das türkische Dorf Güvecci in die Türkei kommen, stammen aus den Städten Dschisr al-Schogur und Maarat al-Numan.