Im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Nach einer Demonstration warfen etwa 200 Jugendliche Steine und Brandsätze auf Sicherheitskräfte, die Polizei schoss mit Tränengas. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Fernsehbilder zeigten, wie mehrere Krankenwagen auf den Tahrir-Platz fuhren, über dem Platz hing dichter weißer Rauch. Augenzeugen berichteten, die Auseinandersetzungen seien so gewaltsam gewesen, wie seit Wochen nicht mehr. Anfang des Jahres war der Tahrir-Platz Mittelpunkt der Proteste gegen den später gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak.

Die aktuellen Ausschreitungen hatten am Dienstagabend begonnen, nachdem die Polizei eine Demonstration von Angehörigen der "Märtyrer der Revolution" vor dem Innenministerium auflöste. Die Situation eskalierte als sich die Kämpfe zwischen Polizei und Demonstranten auf den Tahrir-Platz verlagerten. Die Polizei sperrte die Hauptstraßen zum Platz ab und positionierte Dutzende Fahrzeuge in Seitenstraßen.

Die Demonstranten hatten eine zügigere juristische Aufarbeitung der Tötung von mehr als 800 Demonstranten durch die Sicherheitskräfte zu Beginn dieses Jahres gefordert. Die Proteste richteten sich auch direkt gegen den Vorsitzenden des regierenden Militärrats, Hussein Tantawi. Dieser hatte nach dem Sturz Mubaraks die Führung des Landes übernommen.

In der vergangenen Woche wurde der frühere ägyptische Handelsminister Rachid Mohamed Rachid zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt in Abwesenheit verurteilt. Er soll öffentliche Gelder unterschlagen haben. Zuvor war der frühere Finanzminister Yussuf Boutros Ghali zu 30 Jahren Gefängnis in Abwesenheit verurteilt worden, auch ihm wird Korruption vorgeworfen.

Der ehemalige Präsident Mubarak befindet sich derzeit in einem Militärkrankenhaus und soll mit seinen Söhnen Anfang August vor Gericht erscheinen. Unter anderem wird er für die Tötung von Demonstranten während der ägyptischen Unruhen verantwortlich gemacht.