Ta Nea, Athen: "Tanz auf dem faulen Seil"

"Unsere Partner haben uns nicht den Rücken gekehrt in dem Moment, wo wir einen Schritt vor der Zahlungsunfähigkeit waren. Gleichzeitig haben sie eine klare Nachricht an die Spekulanten geschickt, dass die gemeinsame Währung unterstützt wird, koste es, was es wolle; und dass Europa früher oder später seinen Weg für seine wirtschaftliche Vereinigung finden wird. Das alles sind gute Nachrichten. Das reicht aber noch nicht. Der Ministerpräsident und der Finanzminister kehren zwar mit vollen Koffern aus Brüssel zurück. Sie sind aber hier weiter mit dem Chaos konfrontiert. Es handelt sich um die Wut erregende Realität einer Gesellschaft, die sich weigert zu verstehen, dass sie auf einem faulen Seil tanzt."

La Repubblica, Rom: "Großer Schritt nach vorn"

"Nach einem Jahr der Zögerlichkeiten und Halbheiten, das den Euro an den Rand des Abgrunds hat rutschen lassen, hat sich Europa entschlossen, die Griechenlandkrise ernsthaft anzugehen. Die Antwort auf die Krise, die die europäischen Regierungschefs am Donnerstag beschlossen haben, ist ein großer Schritt nach vorn und sendet ein klares Zeichen an die Märkte. Auch wenn alle dabei auf etwas verzichten mussten – Angela Merkel hat ihr Veto zurückgezogen, die Befugnisse des Krisenfonds zu erweitern. Die Europäische Zentralbank hat Private mit im Rettungsboot akzeptieren müssen und Frankreich hat auf eine Besteuerung der Banken verzichtet – hat Europa am Ende, wenn auch mit Verspätung, etwas gewonnen."

Aftonbladet, Stockholm: "Beschluss unter dem Galgen"

"Die EU-Führung hat sich auf eine neue Stützaktion für Griechenland geeinigt. Alles andere wäre eine komplette Katastrophe. Die wirtschaftlichen Antworten auf die derzeitige Krise hat es längst gegeben. (…) Wirtschaftlich sollte sie zu bewältigen sein. Das Problem ist ein politisches. Es gibt keine Führungskraft. Diejenigen, die damit hätten dienen können, wollen nicht. Gemeint ist Deutschland. (...) Der Gedanke, dass Deutschland am Euro verdient hat und Verantwortung bei der Verhinderung eines Euro-Zusammenbruchs hat, scheint vom Winde verweht zu sein. Die EU-Führer können notwendige Beschlüsse offenbar erst unter dem Galgen fassen. Wie jetzt beim Gipfel."

Neue Zürcher Zeitung: "Vergemeinschaftung von Schulden"

"Die in Brüssel zusammengekommenen Politiker und Interessengruppenvertreter haben beim EU-Gipfel einen weiteren Schritt in Richtung stärkere Vergemeinschaftung von Schulden, Bonität und Verantwortung in der Euro-Zone sowie der Europäischen Union getan. Die Wendung 'einen Schritt tun' rückt den Vorgang allerdings in ein allzu günstiges Licht. Im Grunde sind die Politiker, mehr oder weniger eng aneinandergeklammert, an einem steilen und glitschigen Abhang ein weiteres Stück nach unten gerutscht. (…) Mit der jüngsten Entwicklung dürfte den Bürgern der EU-Länder klarer werden, in welch vielfältiger Hinsicht die sogenannte europäische Integration und der Euro auf eine Solidarisierung beziehungsweise Sozialisierung des Finanzgebarens, der Lebensweise und der EU-weiten Vermögensverteilung hinauslaufen."

Népszabadság, Budapest: "Hunger nach guten Nachrichten"

"Obwohl die Gipfelteilnehmer konkrete Angaben erst für später versprechen, haben die Märkte bereits einen Vertrauensvorschuss gewährt. Dass zugleich der Euro erstarkt ist und der als Rettungsvaluta geltende Schweizer Franken schnell schwächer wurde, zeigt, dass die Investoren nach guten Nachrichten gehungert haben und jedes Signal honorieren, das auf Einigung und Stärkung des Euro hinweist. Als passive Teilnehmer und aktive Leidtragende der Krise können auch wir den guten Nachrichten vertrauen."

Sud-Ouest, Bordeaux: "Endlich die Parasiten bekämpfen"

"Nun geht es darum, das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden, vor allem in den anderen schwachen Staaten der Euro-Zone: Portugal, Spanien und Italien. Denn diese Länder sind eine leichte Beute für Spekulanten. Und die sinistren Rating-Agenturen könnten diese mittelmäßigen Schüler mit Freuden noch etwas weiter nach unten ziehen. Genau hier sind von nun an die europäischen Staats- und Regierungschefs in der Pflicht. Wir erwarten von ihnen, dass sie sich künftig nicht mehr damit begnügen, wie sie es gestern getan haben, unter Druck zu handeln und Notsituationen zu entschärfen – bis zur nächsten Krise. Sie müssen nun endlich die Parasiten bekämpfen, das heißt zum einen die Spekulation und zum anderen die (...) Ratingagenturen."

Gazeta Wyborcza, Warschau: "Schmerzliche Lehre"

"Jetzt gibt es eine Chance darauf, dass die Seuche unter Kontrolle gebracht wird, obwohl die Sanierung der europäischen Wirtschaft noch Zeit braucht. (…) Es ist eine schmerzliche Lehre für ganz Europa. In der Wirtschaft gibt es keine Wunder. Wer auf Kosten der anderen lebt, wird früher oder später den Gürtel enger schnallen müssen. Das ist nicht angenehm, auch wenn unter dem Gürtel ein ganz großes Bäuchlein steckt."

Die Presse, Wien: "Aufputschmittel statt Beruhigungspillen"

"Die Regierungsführer werden ihren Plan, den Europäischen Rat zur alleinigen 'Wirtschaftsregierung' aufzurüsten, begraben müssen. Zehnmal hat man sich in Brüssel bereits mit der Euro-Krise befasst; jedes Mal hat man geschworen, alles Mögliche zu tun, um die Stabilität des Euro sicherzustellen; jedes Mal wurde es am Tag danach noch schlimmer. Die europäische Chefpartie dreht Beruhigungspillen, doch sie wirken an den Märkten wie Aufputschmittel."