Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadžić ist am Montag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag erschienen. Der frühere Führer der kroatischen Serben lehnte es bei seiner ersten Anhörung ab, auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren. Hadžić werde sich vorerst nicht zur Schuldfrage äußern und die vorgesehene Bedenkzeit von 30 Tagen in Anspruch nehmen, sagte sein Verteidiger Vladimir Petrović vor Gericht. Hadžić bestätigte bei der Anhörung, dass er die inzwischen von der Staatsanwaltschaft aktualisierte Anklageschrift gelesen und verstanden habe.

Das UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien wirft Goran Hadžić in 14 Punkten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor. Ihm werden unter anderem Mord, Folter und gewaltsame Vertreibung zur Last gelegt. Er war der letzte Flüchtige der 161 Angeklagten des Tribunals. Hadžić war am Mittwoch nach sieben Jahren der Flucht im Norden Serbiens festgenommen worden. Ende Mai konnte der Ex-Kommandeur der bosnischen Serben, Ratko Mladić, nach jahrelanger Flucht in Serbien gefasst werden.

Beteiligung am Massaker von Vukovar

Hadžić soll für den Tod Hunderter kroatischer Zivilisten und die Verschleppung Zehntausender Kroaten und Nicht-Serben während des Kroatien-Krieges (1991-1995) verantwortlich sein. Er war zwischen 1992 und 1993 Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina, die damals ein Drittel des Gebietes von Kroatien umfasste. Hadžić soll unter anderem an dem Massaker in Vukovar beteiligt gewesen sein. Dort waren im November 1991 mehr als 260 Menschen von serbischen Truppen gefoltert und getötet worden.

Bereits 2004 war Goran Hadžić wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden. Am Freitag lieferte die Belgrader Justiz ihn an das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag aus.