Großbritannien hat die verbliebenen Diplomaten der Regierung von Machthaber Muammar al-Gadhafi aufgefordert, das Land zu verlassen. "Wir erkennen sie nicht mehr als Vertreter der libyschen Regierung an", sagte Außenminister William Hague.

Britischen Medienberichten zufolge soll es sich um acht Mitarbeiter der Botschaft handeln. Bereits im Mai hatte London den libyschen Botschafter sowie weitere Diplomaten des Landes verwiesen, darunter den Militärattaché.

Hague bezeichnete den Nationalen Übergangsrat in Libyen als einzige rechtmäßige Vertretung des Landes. Die Vertreter der Rebellen forderte Hague auf, einen diplomatischen Gesandten nach London zu schicken und das Gebäude der libyschen Botschaft in London zu übernehmen: "Diese Entscheidung spiegelt die wachsende Legitimation des Nationalen Übergangsrates wieder."

Zusammenarbeit "wie mit anderen Regierungen"

Großbritannien könne der Opposition in Libyen durch den Schritt größere praktische Unterstützung zukommen lassen, sagte Hague. Von nun werde die britische Regierung mit dem Rat "auf derselben Ebene wie mit anderen Regierungen auf der Welt" zusammenarbeiten. "Indem wir den Übergangsrat als einzige Regierungsbehörde behandeln, gehen wir mit ihm um, als ob er der Staat Libyen ist."

Hague kündigte an, an der Freigabe umfangreicher libyscher Vermögenswerte für die Rebellen zu arbeiten. "Das Vereinigte Königreich ist nach der Anfrage einer libyschen Ölfirma bereit, 91 Millionen Pfund aus Aktien des Unternehmens in Großbritannien zugänglich zu machen", sagte Hague. Mit dem Geld solle die Versorgung der Not leidenden Bevölkerung bezahlt werden.

Deutschland reagierte zurückhaltend auf den britischen Vorstoß. Zwar werde immer überlegt, wie auf diplomatischer Ebene mit Libyen umgegangen werden sollte, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Noch sei aber nichts entschieden. Deutschland erkannte den Übergangsrat im Juni an. Als erstes Land hatte Frankreich im März die Aufständischen als einzige legitime Vertreter Libyens anerkannt.