Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde hat ein rasches Ende des Schuldenstreits in den USA angemahnt und vor den Folgen eines Scheiterns für die Weltwirtschaft gewarnt. "Die Uhr tickt, und der Streit muss umgehend beigelegt werden", sagte Lagarde. Notwendig seien verlässliche Einsparungen im Haushalt, wobei eine übereilte Lösung vermieden werden sollte.

Demokraten und Republikaner ringen seit Wochen um eine Anhebung der gesetzlichen US-Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar. Ohne einen entsprechenden Beschluss des US-Kongresses bis zum 2. August droht den USA die Zahlungsunfähigkeit, was zur erheblichen Störung der Finanzmärkte führen und die USA in die Rezession stürzen könnte.

Der designierte US-Generalstabschef Martin Dempsey warnte unterdessen vor drastischen Kürzungen im Wehretat. Minderausgaben von 800 Milliarden Dollar oder mehr wären nur schwer zu verkraften und hochriskant, sagte Dempsey in einer Anhörung im Senat. Das bevorstehende Erreichen der Schuldenobergrenze sei zwar besorgniserregend, gefährde aber nicht die nationale Sicherheit. Dempsey widersprach damit dem scheidenden Generalstabschef Mike Mullen, der die hohe Verschuldung als größte Bedrohung der amerikanischen Sicherheit bezeichnet hatte.

Die USA werden nach Einschätzung von Volkswirten laut einer Reuters-Umfrage ihre Top-Bonitätsnote AAA einbüßen. 30 von 53 befragten Wirtschaftsexperten prophezeiten, dass mindestens eine der drei großen Rating-Agenturen den USA die AAA-Note entziehen werde. "Wir glauben zwar, dass sich der Kongress um fünf vor zwölf einigt, allerdings steigt das Risiko eines Scheiterns jeden Tag", sagte Guy LeBas von Janney Capital Markets. "Deshalb ist die Chance für eine Abstufung höher als für eine Beibehaltung des Ratings."

Herabstufung kann 100 Milliarden Dollar jährlich kosten

Der Wertpapier- und Investmentverband Sifma rechnete vor, eine Herunterstufung auf die Note AA könnte die Zinsen für die USA im Durchschnitt um 60 bis 70 Basispunkte erhöhen – und damit die Refinanzierungskosten pro Jahr um rund 100 Milliarden Dollar steigen lassen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zahlungsunfähigkeit in der kommenden Woche sei aber "praktisch nicht vorhanden", weil das Finanzministerium noch über Vermögenswerte verfüge, um den Verpflichtungen nachzukommen. 

Große Rating-Agenturen wie Standard&Poor's (S&P) haben klargemacht, dass sie mehr als eine zeitgerechte Anhebung der Schuldengrenze wollen, um die Top-Bonität der USA zu belassen. Sie wollen konkrete Maßnahmen zum Schuldenabbau sehen, von vier Billionen Dollar spricht zum Beispiel S&P. Das ist der Umfang des Pakets aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, das Präsident Obama schnüren will – und das die Republikaner vehement ablehnen.