Angesichts anhaltender Proteste hat der ägyptische Regierungschef Essam Sharaf begonnen, das Kabinett umzubilden. Die Angaben über die Zahl neuer Minister gehen leicht auseinander; CNN spricht von 14, die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhuan von 15. Sharaf ernannte unter anderem den Ökonomen Hazem Beblawi zum neuen Finanzminister. Dieser trat die Nachfolge des zurückgetretenen Samir Radwan an, der im Februar noch vom inzwischen zurückgetretenen Präsidenten Hosni Mubarak ernannt worden war. Am heutigen Montag sollen möglicherweise noch weitere Kabinettsmitglieder bekannt gegeben werden.

Unter anderem wurden die Telekommunikations-, Gesundheits-, Bildungs- und Luftfahrtminister sowie der Minister für Altertümer ausgetauscht. Ägyptische Demonstranten hatten den Rücktritt von Ministern gefordert, die noch unter Mubarak wichtige Ämter bekleideten oder Verbindungen zur Regierungspartei Mubaraks hatten.

Bereits am Samstag war Außenminister Mohamed al-Orabi zurückgetreten. Eine Begründung für den Schritt wurde nicht genannt. Der langjährige ägyptische Botschafter in Deutschland hatte erst im Juni sein Amt angetreten. Sein Nachfolger wird Mohamed Kamel Amr. Er ist ehemaliger ägyptischer Botschafter in Saudi-Arabien und hat auch bei der Weltbank gearbeitet.

Mubaraks Gesundheitszustand stabil

Die aktuelle Kabinettsumbildung ist ein weiterer Schritt weg von der Vergangenheit mit Hosni Mubarak. Der Ex-Machthaber ist denn auch derzeit hauptsächlich wegen seines offenbar angeschlagenen Gesundheitszustands Thema in den Medien. Der Direktor der Klinik, in der sich der 83-Jährige aufhält, dementierte am Sonntag Medienberichte, nach denen Mubarak einen Schlaganfall erlitten habe und ins Koma gefallen sei.

Das staatliche ägyptische Fernsehen und der arabische Sender Al Jazeera hatten zuvor unter Berufung auf Mubaraks Rechtsanwalt von einem Schlaganfall berichtet.

Mubarak hält sich seit Juni unter Arrest im Luxus-Krankenhaus im Sinai-Bad Scharm al-Scheich auf. Bislang wurde er in erster Linie wegen Herzproblemen behandelt. Im Vorjahr war er im Universitätsklinikum Heidelberg an der Gallenblase operiert worden.

Am 3. August soll ein Prozess gegen Mubarak beginnen, unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen. 18-tägige Massenproteste hatten den langjährigen Präsidenten am 11. Februar zum Rücktritt gezwungen.

Ägyptische Medien spekulierten, dass Mubaraks Anwalt Farid al-Dib möglicherweise mit Berichten über eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes die Einstellung der Bevölkerung Mubarak gegenüber verbessern wollte. In Ägypten verkaufen Straßenhändler seit einiger Zeit "Galgenstricke", die sich manche Autofahrer hinter die Scheibe hängen. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie ihn möglichst bald am Galgen sehen wollen.