Zum zweiten Mal binnen weniger Tage ist ein enger Vertrauter des afghanischen Staatschefs Hamid Karsai getötet worden. Wie das Innenministerium bestätigte, starb der frühere Gouverneur der Provinz Urusgan und enge Berater Karsais, Dschan Mohammed Khan, am Sonntagabend bei einem Angriff auf sein Haus in Kabul. Demnach stürmten drei bewaffnete Männer in das Haus Khans und erschossen ihn. Die radikalislamischen Taliban haben sich bereits zu der Tat bekannt.

Khan sei für Karsai ebenso wichtig gewesen wie dessen Halbbruder Ahmed Wali Karsai, sagte der Regierungsvertreter. Ein ranghoher Polizeibeamter sagte, neben Khan sei ein Abgeordneter des Parlaments von Urusgan, Mohammed Haschem Watanwal, getötet worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kamen zudem einige der Leibwächter Khans ums Leben.

Khan gehörte wie Karsai dem einflussreichen südafghanischen Popalsai-Stamm der paschtunischen Volksgruppe an. Er war ein langjähriger Freund des afghanischen Staatschefs, gegen den die 2001 von der Macht vertriebenen radikalislamischen Taliban einen bewaffneten Aufstand führen. Erst am Dienstag war in Kandahar Karsais Halbbruder Ahmed Wali Karsai von einem mit ihm eng vertrauten Leibwächter erschossen worden. Das Motiv des Täters ist noch immer unklar.

Die Angriffe auf Vertraute Karsais erfolgen zu einem kritischen Zeitpunkt: Die internationalen Truppen haben gerade begonnen, die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die Afghanen abzugeben. Am Sonntag übergab die Nato in der ersten von sieben Provinzen, Bamijan, die Verantwortung in die Hände afghanischer Sicherheitskräfte. Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung soll erlauben, bis Ende 2014 alle 150.000 in Afghanistan eingesetzten ausländischen Soldaten abzuziehen. Ende dieses Jahres sollen bereits 33.000 US-Soldaten das Land verlassen.